Jugend Eine Welt unterstützt in Ecuador unter dem Motto „Back 2 Nature“ den Schutz des Lebensraums der indigenen Bevölkerung und schafft zugleich alternative Einnahmequellen.
Typische Andenpflanzen wie Papanabo, Oca, Melloco, dazu verschiedene Gemüsesorten wie Kohl, Mangold, Erbsen, Karotten, Salat, Zwiebeln, Radieschen, Gerste, Erbsen, Ackerbohnen, all das wird in der kleinen Ortschaft Cebadas im Andenhochtal von Zentral-Ecuador seit kurzem angebaut. Um diese Fülle kleinbäuerlicher Produkte zu erzielen, haben sich rund 250 indigene Frauen in neuen agrarökonomischen Anbaumethoden unterrichten lassen. „Solches Wissen zu vermitteln ist Ziel dieses Projektes, mit dem wir die Bemühungen der indigenen Bevölkerung für Umweltschutz und nachhaltige ländliche Entwicklung unterstützen“, erklärt Reinhard Heiserer, Geschäftsführer der österreichischen Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt, anlässlich des „Internationalen Tag der indigenen Völker“ am 9. August.
Mit dem von den Vereinten Nationen ins Leben gerufenen Gedenktag soll auf die Situation, die Kultur und die Menschenrechte von Ureinwohnern weltweit aufmerksam gemacht werden. Nach UN-Schätzungen gibt es rund 5.000 indigene Völker, mit mehr als 476 Millionen Menschen, was etwa 6 Prozent der Weltbevölkerung entspricht. Unter dem Motto „Back 2 Nature“ bündelt Jugend Eine Welt seine weltweiten Initiativen zum Umweltschutz und zur Erhaltung natürlicher Ressourcen. Insbesondere in Regionen mit jeweils hohem indigenem Bevölkerungsanteil, wie im lateinamerikanischen Ecuador. „Der Bergbau, die Erdölförderung, die Abholzung des Regenwaldes, die Verkarstung der Andenhochregion, gepaart mit den immer drastischeren Auswirkungen des Klimawandels, all das bedroht deren Lebensraum und damit ihr wirtschaftliches Auskommen in ihrer traditionellen Umgebung“, so Heiserer. Und weiter: „Landflucht mangels Einkommensmöglichkeiten, die fehlenden Zukunftsperspektiven gerade der jungen Generation sowie in Folge die Entwurzelung und Verarmung in ungewohnter städtischer Umgebung ist oft das bittere Ergebnis.“
Neben Bildungs- und Sozialprogrammen unterstützt Jugend Eine Welt daher in Ecuador mit bewährten Partnern Projekte zur Stärkung indigener Volksgruppen und dem Schutz ihres Lebensraums, von der Aufforstung des Regenwaldes bis hin zur Schaffung neuer alternativer Einnahmequellen.
Wissen verbinden
„Bei Projekten wie im ländlichen Andenhochland rund um Cebadas geht es neben dem Naturschutz immer auch um die Schaffung nachhaltiger Produktionssysteme, die der lokalen Bevölkerung zukunftsfitte Einnahmequellen bieten“, sagt Jugend Eine Welt-Mitarbeiter Martin Schachner – selbst studierter Agraringenieur – der jahrzehntelange Ecuadorerfahrung besitzt und seit einigen Jahren vor Ort die Projekte begleitet. Dabei arbeitet Jugend Eine Welt eng mit dem FEPP (Fondo Ecuatoriano Populorum Progressio) zusammen, der erfolgreich seit über 50 Jahren mit Indigenen und Campesinos ländliche Entwicklungsprogramme begleitet. Gemeinsames Ziel ist eine nachhaltige Entwicklung in den ländlichen Gebieten der Anden und des Amazonas-Tieflandes, speziell durch Förderung agrarökologischer Praktiken und Agroforstsystemen (= nachhaltige Landnutzungsformen, die etwa Bäume oder Sträucher auf derselben Fläche mit Ackerbau oder Tierhaltung kombinieren).
„Im Projekt wird partnerschaftlich gearbeitet und gemeinsam Neues entwickelt, also indigenes, an die lokalen Gegebenheiten angepasstes Wissen mit modernen, aus dem universitären Bereich kommenden agrarökologischen Methoden verbunden“, führt Reinhard Heiserer aus. In Cebadas, gelegen im Kanton Guamote in der ecuadorianischen Provinz Chimborazo, haben die Menschen – überwiegend Angehörige der Kichwas, eine der größten indigenen Bevölkerungsgruppen Ecuadors – bisher mit großer Armut und ökologischen Herausforderungen wie Ernteausfälle durch widrige, trockene Klimabedingungen zu kämpfen. Jetzt haben Kleinbäuerinnen aus neun lokalen Organisationen gemeinsam mit ihren Familien – insgesamt also rund 1.000 Menschen – neue agrarökologische Praktiken mitentwickelt.
Sie bewirtschaften etwa die ihnen zur Verfügung stehenden Flächen mit organischem Dünger, aufbauend auf der lokalen Hühner und Meerschweinchenzucht bzw. aus neu errichteten Familienkompostproduktionen. Damit lässt sich eine neue Fülle an landwirtschaftlichen Produkten anbauen und ernten. Zugleich wird durch diese Anbaumethoden die Umwelt geschützt, etwa das natürliche Dauergrünland in den Hochanden. Strategien zur Abfallvermeidung und zum Recycling ergänzen das aktuelle Pilotprogramm. Hilfe bei der Vermarktung und den teilweisen Verkauf der Produkte gibt es über den FEPP, der den Frauen beispielsweise nötiges Wissen zur Unternehmensführung, den Anschluss an Vermarktungsgenossenschaften bis hin zur Vermittlung günstiger Kredite liefert.
„Das Projekt zeigt beispielhaft, wie sich Umweltschutz, die Anpassung an den Klimawandel sowie soziale und wirtschaftliche Entwicklung miteinander verbinden lassen. Durch die Kombination von lokalem Wissen, agrarökologischen Methoden und dem Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten entstehen langfristig widerstandsfähigere Gemeinden und nachhaltige Lebensgrundlagen“, so Reinhard Heiserer. Es trage „zu einer sicheren, verlässlichen und gesunden Ernährung bei und erschließt den Menschen neue Einkommensquellen. Das Projekt kann auch in anderen ländlichen Regionen mit ähnlichen Herausforderungen umgesetzt werden.“ Nachsatz: „Bitte helfen auch Sie mit Ihrer Spende an Jugend Eine Welt solche Projekte anzustoßen und auszuweiten.“
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