Laut dem UNICEF-Bericht „The State of the World’s Children 2025“ leben weltweit mehr als 417 Millionen Kinder in schwerer multidimensionaler Armut. Das bedeutet, dass mehr als jedes fünfte Kind in armen Ländern auf mindestens zwei grundlegende Dinge verzichten muss. Dazu zählen etwa Bildung, Gesundheitsversorgung oder ausreichende Ernährung. „Diese Zahlen zeigen drastisch, wie wichtig konkrete Hilfe vor Ort ist. Denn wenn weltweit über 400 Millionen Kinder in Armut leben und auf Bildung, Ernährung oder Schutz verzichten müssen, dann erinnert das an ein altes Muster, das wir auch aus der Geschichte kennen: die Schwabenkinder. Kinder und Jugendliche aus Tirol und der Arlbergregion wurden bis zum Anfang des 20. Jahrhundert aus Not zur Arbeit in die Fremde geschickt. Heute zeigt sich Kinderarmut in anderen Teilen der Welt in neuer Form – als Straßenkinder und Kinderarbeiter. Genau deshalb ist die Arbeit von Jugend Eine Welt so entscheidend: Sie durchbricht diesen Kreislauf und gibt Kindern Zugang zu Bildung, Schutz und Zukunft“, erinnert Reinhard Heiserer, Geschäftsführer der österreichischen Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt, anlässlich des „Internationalen Kindertag“ am 1. Juni.
Bildung überwindet Armut
Gemeinsam mit langjährigen Partnern vor Ort unterstützt Jugend Eine Welt seit der Gründung vor knapp 30 Jahren Schul- und Bildungsprojekte für benachteiligte Kinder in Lateinamerika, Afrika, Ost-Europa und Asien. „Bildung ist der Schlüssel, um Armut, Kinderarbeit und Ausbeutung langfristig zu überwinden“, so Heiserer. „Nur wer lesen, schreiben und rechnen kann, hat die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben.“
Fehlende Perspektive treibt Kinder auf die Straße
Genau diese Chancen erhalten Kinder und Jugendliche mit der Unterstützung von Jugend Eine Welt zum Beispiel in Ambato in Ecuador. In der Anden-Stadt, südlich von Ecuadors Hauptstadt Quito auf 2.500 Metern gelegen, sind für die Kinder in den Armenvierteln Themen wie vererbte Armut und Gewalt große Probleme. „Viele Kinder in Ecuador haben keine Perspektive. Nicht selten müssen sie bereits in jungen Jahren arbeiten oder verbringen einen Großteil ihres Alltags auf der Straße“, schildert Heiserer, der selbst mehrere Jahre als Freiwilliger in einem Straßenkinder-Zentrum in Ecuador arbeitete. „Deshalb ist sind Projekte wie jenes von Schwester Narzica Pazmiño so wichtig.“
Fundación Don Bosco als Beispiel nachhaltiger Veränderung
Jugend Eine Welt-Projektpartnerin Narzica Pazmiño, auch oft als „Mutter der Straßenkinder in Ecuador“ bezeichnet, gründete vor knapp 30 Jahren in Ambato die „Fundación Don Bosco“ - ein Hilfsprojekt für Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenslagen, insbesondere für Straßenkinder, arbeitende Kinder und Kinder aus sehr armen Familien. Sie erhalten dort neben einer warmen Mahlzeit auch Lernbetreuung, Freizeitangebote und einen sicheren Ort zum Spielen und Aufwachsen. Besonders gefährdeten Kindern bietet die „Fundación Don Bosco“ sogar ein vorübergehendes Zuhause. Jugend Eine Welt und die Pfarre Christkindl in Oberösterreich sind praktisch seit dem Start zwei der wichtigsten Förderer dieses Projekts. „Fünf Jugendliche haben heuer ihre Matura gemacht. Über 200 Kinder schafften den Sprung in die nächste Klasse“, zeigt sich Sr. Narzica stolz. „Wir versuchen den jungen Menschen zu vermitteln, dass ihre Ausbildung eine große Bedeutung für ihre Zukunft und ein Leben abseits der Straße hat. Denn sie alle sollen einmal selbstständig und verantwortungsbewusst ihr Leben meistern können.“
Junge Freiwillige aus Österreich vor Ort
Jugend Eine Welt unterstützt die „Fundación Don Bosco“ aber nicht nur finanziell, sondern auch mit der Entsendung von Freiwilligen. Zahlreiche junge Erwachsene leisteten, über die von Jugend Eine Welt und den Salesianern Don Boscos getragene Entsendeorganisation VOLONTARIAT bewegt, bereits ihren Freiwilligendienst bei Sr. Narzica in Ambato. Aktuell sind drei Volontärinnen und Volontäre vor Ort. Ein spannendes und lehrreiches Jahr, das in Österreich auch als Zivilersatzdienst angerechnet werden kann und nicht nur den jungen Freiwilligen neue Perspektiven verschafft. „Jedes Kind, das weltweit durch Bildung, Schutz und Begleitung seine Zukunft selbst gestalten kann, ist ein Beweis dafür, dass Hilfe wirkt. Denn Kinderarmut ist kein Naturgesetz. Sie ist menschengemacht. Und sie kann überwunden werden. Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, Kindern weltweit die Chance auf ein Leben in Würde zu geben“, betont Heiserer abschließend.