Für die Kinder und Jugendlichen im Osten Österreichs ist der heutige Schulstart und der Weg in ihre Klassenzimmer eine Selbstverständlichkeit. Für Millionen Gleichaltrige im Globalen Süden ist Bildung hingegen noch immer nicht Realität. Denn laut Angaben der UNESCO bleiben rund 273 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit einer Bildungseinrichtung fern. Besonders betroffen sind Länder in Subsahara-Afrika und Süd- und Zentralasien. „Bildung überwindet Armut – davon sind wir bei Jugend Eine Welt seit unserer Gründung vor 29 Jahren überzeugt. Bildung bedeutet nicht nur, lesen, schreiben und rechnen zu lernen. Sie bedeutet, die eigenen Fähigkeiten zu entdecken, Selbstvertrauen zu entwickeln und eine echte Chance auf ein selbstbestimmtes Leben zu bekommen“, betont Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt, anlässlich des Weltalphabetisierungstags am 8. September.
Bildung als Schlüssel für ein besseres Leben
Armut, Kinderarbeit, fehlende Schulen, Konflikte, Flucht oder soziale Ausgrenzung sind die Hauptgründe für fehlende Bildung von Kindern und Jugendlichen in Ländern des Globalen Südens. Genau hier setzen die von Jugend Eine Welt unterstützten Bildungsprojekte an. „Unsere Projektpartner vor Ort leisten oft bei Eltern, die ihre Kinder nicht zur Schule schicken können oder wollen, wichtige Überzeugungsarbeit. Manchmal geht es den Familien so schlecht, dass sie es sich schlichtweg einfach nicht leisten können, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Damit meine ich nicht nur mögliche Schulkosten, sondern auch die Tatsache, dass die Kinder mit ihrer Arbeit zum finanziellen Überleben beitragen müssen. Manchmal scheitert es aber auch am grundlegenden Verständnis der Eltern, dass Bildung für ihre Kinder der Schlüssel zu einem besseren Leben ist“, erzählt Heiserer.
Raus aus der Armutsspirale
Erst vor wenigen Tagen besuchte Pater Noel Maddhichetty, langjähriger Projektpartner von Jugend Eine Welt in Indien, das Büro der österreichischen Entwicklungsorganisation in Wien. Im Zuge dessen überbrachte er auch Erfolgsgeschichten von in Not geratenen Jugendlichen, denen, dank der Unterstützung von Jugend Eine Welt, durch Bildung der Weg aus der Armutsspirale gelang. „Die Lebenswege der Mädchen und Buben sind unterschiedlich. Chantamma wuchs zum Beispiel in einer armen Familie auf, die sich mit Landwirtschaft über Wasser hielt. Auch sie musste schon als Kleinkind am Feld mithelfen. Anfangs ging sie noch parallel zur Schule. Im Alter von neun Jahren wurde sie krank, ihre Eltern nahmen sie aus der Schule und sie arbeitete nur noch auf dem Feld. Als einer unserer Mitarbeiter sie fand, konnte sie nicht einmal das Alphabet. Mit der Einwilligung ihrer Eltern bekam Chantamma die Chance, in eine Don Bosco-Schule zu gehen. Sie lernte schnell, war eine der Klassenbesten, gewann ein Stipendium für eine berufsbildende Schule und arbeitet nun als Software-Entwicklerin“, erzählt der Salesianer.
Ganzheitlicher Bildungsansatz
Chantamma ist eines von zehntausenden Mädchen und Buben, die dank Bildung der Armutsspirale entkommen sind. Die Jugend Eine Welt-Projektpartnerinnen und -partner weltweit begleiten Kinder und Jugendliche nach Möglichkeit auf ihrem gesamten Bildungsweg, bis sie beruflich und sozial auf eigenen Beinen stehen können. „Im Mittelpunkt unserer Arbeit vor Ort steht dabei ein ganzheitlicher Bildungsansatz ganz nach unserem Organisations-Patron Don Bosco: Kinder und Jugendliche sollen nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Sie sollen ihre Talente entwickeln, Selbstvertrauen gewinnen und jene Fähigkeiten erwerben, die ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen“, so Heiserer.
Kein Kind wird zurückgelassen
Dabei gilt prinzipiell: Kein Kind soll zurückgelassen werden, jedes verdient immer wieder eine neue Chance. In der Praxis bedeutet das zum Beispiel, dass ein Kind, welches die Grundschule aus unterschiedlichen Gründen nicht abschließen konnte, eingeladen wird, eine Lehre zu machen. Oder dass ein Jugendlicher, der noch nie eine Schule besucht hat, auch nach dem schulpflichtigen Alter den Grundschulabschluss nachholen kann. Die Don Bosco-Bildungsmaßnahmen umfassen beispielsweise Vorschulförderung, Alphabetisierungskurse, Brückenkurse zum Wiedereinstieg ins Regelschulsystem, Nachhilfe bzw. Förderunterricht, Grundschulen, Sekundarschulen, Weiterführende Schulen und Unis bzw. Berufsausbildung und Arbeitsvermittlung. Auch Gesundheitsvorsorge, Ernährung, Kinderschutz und die Zusammenarbeit mit Familien und Gemeinschaften sind wichtige Bestandteile der Projekte.
Bildung überwindet Armut
„Kinderarbeit und fehlende Bildung verstärken sich gegenseitig. Wer als Kind arbeiten muss und deshalb nicht regelmäßig zur Schule gehen kann, hat später schlechtere Chancen auf eine qualifizierte Arbeit. Und wer als Erwachsener in Armut lebt, kann wiederum gezwungen sein, seine eigenen Kinder arbeiten zu lassen“, fasst Heiserer die Situation zusammen. „Dank Ihrer Unterstützung schaffen wir es diesen Kreislauf zu durchbrechen. Denn Bildung überwindet Armut“, so der Jugend Eine Welt-Geschäftsführer abschließend.
Initiative „Kinderarbeit stoppen!“
Als Bündnispartner der Initiative „Kinderarbeit stoppen!“ – zu deren Mitgliedern neben Jugend Eine Welt auch die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, FAIRTRADE Österreich, Kindernothilfe Österreich und solidar Austria gehören – setzt sich Jugend Eine Welt, gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern in Ländern des Globalen Südens, für den Schutz von Kinderrechten, für gerechte Lieferketten und für ein Ende ausbeuterischer Kinderarbeit ein. Die Initiative „Kinderarbeit stoppen!“ wird von der Austrian Development Agency (ADA) im Rahmen von International Partnerships Austria gefördert.