Die Aktivitäten der Aktionsgruppe sind Teil der Kampagne „Kinderarbeit Stoppen“ – eine Initiative von Jugend Eine Welt, Dreikönigsaktion – Hilfswerk der Katholischen Jungschar, Fairtrade, Kindernothilfe, solidar Austria und den Butterfly Rebels.
5 Millionen Kinder arbeiten weltweit in Goldminen. Die Arbeit in Minen ist eine der gefährlichsten Formen von Kinderarbeit. Kinder arbeiten in engen Schächten, tragen schwere Lasten und sind giftigen Chemikalien ausgesetzt. Wir, die Aktionsgruppe gegen Kinderarbeit, setzt sich gegen diese Missstände ein. Dafür haben wir uns mit internationalen ExpertInnen zusammengesetzt, die spannende Einblicke hinter die Kulissen der Goldindustrie lieferten.
Einer von ihnen ist Glen Mpufane. Er ist Bergbauexperte aus Südafrika und hat früher selbst in einer Goldmine gearbeitet. Er hebt das Dilemma des Bergbaus hervor:
„Für Millionen von Arbeiterinnen und Arbeitern sind Gold- und Diamantenabbau eine wichtige Einkommensquelle. Das Problem sind die Bedingungen, unter denen Gold und Diamanten abgebaut werden: Sie sind sehr brutal. Kinder wurden bei der Arbeit verletzt und getötet.“
Um Kinderarbeit im Bergbau zu verstehen, sei allerdings eine zentrale Unterscheidung von besonderer Bedeutung:
„In großen industriellen Bergwerken hat man nicht so große Probleme. Aber 15 bis 20 Prozent des gesamten Goldes stammen aus kleinen Minen. Und genau dort liegt das Problem. Denn wir sprechen hier von wirtschaftlicher Tätigkeit am Rand der industriellen Produktion. Und in diesen Randbereichen macht Schmuck mehr als 50 Prozent der Goldnachfrage aus.“
Dass Kinderarbeit vor allem in klein skaliertem und illegalem Bergbau vorkommt, verdeutlicht eine der großen Problematiken im Kampf gegen Kinderarbeit.
Diesen Punkt hebt auch Simela Papatheophilou hervor, Juristin und Entwicklungsforscherin bei der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE):
„Kinderarbeit findet nicht sehr häufig im formellen Sektor statt, sondern im informellen Sektor.“
Erfolgreiche Maßnahmen gegen Kinderarbeit sind komplex:
„Wenn man wirksame Maßnahmen haben möchte, braucht man zwei Dinge: Erstens müssen sie die Ursachen bekämpfen, und zweitens müssen sie an die Faktoren angepasst sein, die man vor Ort vorfindet. Dazu gehören Fragen wie: Wie sieht der Arbeitsmarkt aus? Wie ist die allgemeine wirtschaftliche Situation in dieser Gegend? Und welche Alternativen zur Kinderarbeit gibt es an diesem konkreten Ort? […] Wenn die Eltern angemessen bezahlt werden, wenn sie einen existenzsichernden Lohn erhalten und wenn die Arbeitsbedingungen gut genug sind, müssten Kinder nicht arbeiten.“
Eine große Bedeutung misst Simela Papatheophilou der Schulbildung bei:
„Es geht darum, jungen Kindern Fähigkeiten zu vermitteln und sie vom informellen Markt in den formellen Markt zu bringen. […] Durch angemessene Bildung wird sichergestellt, dass man einen angemessenen Lohn erhält und nicht ausgebeutet wird. […] Die Qualität der Schulbildung und der Zugang zur Schule sind zwei verschiedene Dinge. Es geht also nicht nur um den Zugang zu Bildung, sondern auch um die Qualität der Bildung, mit der man später in den Arbeitsmarkt eintreten und tatsächlich von Bildung profitieren kann.“
Dass die Sicherstellung eines nachhaltigen Zugangs zu Schulbildung eine große Herausforderung ist, macht Father George, Direktor von BREADS Bangalore und Projektpartner von Jugend Eine Welt in Indien, deutlich:
„Gibt es keine angemessenen Bildungssysteme, brechen Kinder häufig die Schule ab. Wenn sie die Schule abbrechen, beginnen sie zu arbeiten, und daraus wird Kinderarbeit.“
Dem begegnen Menschen wie Father George und Organisationen wie BREADS Bangalore mit Tatkraft:
„Wir tun alles, was möglich ist, um Schulabbrüche zu verhindern und sicherzustellen, dass die Kinder sich ganzheitlich entwickeln: dass sie ihre moralischen Fähigkeiten entwickeln, auf eigenen Beinen stehen können und Lebenskompetenzen erlernen. Das Zweite, was wir tun, ist: Wir versuchen jene Kinder zu befreien, die bereits in Hotels, Geschäften oder als Schuhputzer arbeiten. Wir retten sie von ihren Arbeitgebern. Der Arbeitgeber ist normalerweise eine sehr mächtige Person. Deshalb gehen wir im Namen des Kindes zu ihm und bitten ihn, das Kind freizulassen. Normalerweise werden sie wütend auf uns, sie versuchen, uns wegzudrängen, aber meistens bleiben wir standhaft und können die arbeitenden Kinder befreien.“
Auch Leah Mwaisango, Dozentin am Institute of Social Work in Tanzania, Sozialarbeiterin und Sozialarbeitswissenschaftlerin, zeigt Wege gegen Kinderarbeit auf. In ihrer Forschung traf sie viele Kinder, die keine Chance auf eine Kindheit haben:
„In von Kindern geführten Haushalten übernehmen Kinder unter 18 Jahren die volle Verantwortung von Erwachsenen. Das bedeutet auch, dass die Rolle erwachsener Bezugspersonen zusammenbricht, während Kinder zu den wichtigsten Betreuungspersonen der Familie werden. […] In von Kindern geführten Haushalten war eine der Entscheidungen zum Überleben, im Bergbau zu arbeiten. Sie mussten Bergbauarbeiten verrichten: graben, schwere Dinge tragen, Steine sortieren. Aber um zu überleben, arbeiteten Kinder nicht nur im Bergbau, sondern in dieser Gegend auch in vielen anderen Bereichen. Ein Ort, an den Kinder häufig gingen, waren Schlachthöfe. Früh am Morgen, zwischen vier und fünf Uhr, waren Kinder am Schlachten von Tieren beteiligt und hantierten mit Tierkadavern. Dadurch waren sie einer sehr ungesunden Umgebung ausgesetzt. Kinder arbeiteten auch auf Baustellen, wo sie Ziegel herstellten und am Bau von Häusern beteiligt waren. Außerdem arbeiteten Kinder viele Stunden in der Landwirtschaft für sehr geringen Lohn.“
Die Zusammenhänge in Regionen wie Arusha in Tansania, wo Leah Mwaisango forschte, sind komplex:
„Die Kette beginnt damit, dass Eltern in Bergbaugebiete migrieren. Dann zerfällt die Familie und wird zu einem von Kindern geführten Haushalt. Danach werden Kinder zum Familienoberhaupt, und um zu überleben, entscheiden sich manche Kinder, in den Bergbau zu gehen. Wenn sie sich dort aber nicht halten können, gehen sie auf die Straße. […] Diese Entwicklungskette darf nicht ignoriert werden. […] Wegen des Bergbaus liegt die Schulabwesenheit in Geita [einem Ort in der Region Arusha, Anm. d. R.] bei 96 Prozent. Außerdem kümmern sich Kinder mehr um ihre Geschwister als um sich selbst. Kinder bleiben zu Hause, um sich um ihre Geschwister oder andere Menschen zu kümmern, statt zur Schule zu gehen. Psychologisch verursacht das Trauma und Trauer. Sie werden auch viel zu früh zu Erwachsenen. Außerdem werden sie von einigen Schutzinstitutionen ausgeschlossen.“
Was ist nun aber eine mögliche Lösung?
„Wir müssen mit der Gemeinschaft arbeiten, nicht an ihr vorbei. Es ist wirklich wichtig, Gemeinschaften in die Diskussion einzubeziehen, damit es richtig funktioniert. Kinder haben durch ihre eigenen Entscheidungen, durch das Führen von Haushalten und durch ihre Beteiligung am Arbeitsmarkt bereits Fähigkeiten gezeigt. Deshalb muss man wirtschaftliche Alternativen anbieten, von Jugendlichen geleitete Unterstützungsstrukturen und Peer-Netzwerke, die auf ihren vorhandenen Fähigkeiten aufbauen, statt externe Lösungen umzusetzen.“
Weltweit sind noch heute 138 Millionen Kinder von Kinderarbeit betroffen. Die wichtigsten Faktoren, um Kinderarbeit zu beenden, sind die Überwindung von Armut und die Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger Bildung. Dies sind Dinge, die konkret angegangen werden können. Dafür setzen wir uns in der Aktionsgruppe gegen Kinderarbeit, im Bündnis Kinderarbeit Stoppen und bei Jugend Eine Welt weiterhin mit viel Engagement ein.
Der Austausch mit den Expertinnen und Experten fand im Rahmen einer Veranstaltung der Aktionsgruppe gegen Kinderarbeit am 16. Mai 2026 in der C3-Bibliothek statt. Weitere Informationen zu unseren Aktivitäten sowie Anmeldemöglichkeiten finden Sie hier.
Diese Initiative wird mit Mitteln der Austrian Development Agency gefördert
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