Das Jugend Eine Welt-Programm “Gender Matters For Green TVET” wird von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (Austrian Development Agency) kofinanziert.
„Die Ausbildung gibt den Jugendlichen Hoffnung. Sie sehen, dass das Leben nach Krieg und Flucht weitergehen kann“, erzählt Jennifer Ruth Amony. Im Don Bosco-Berufsbildungszentrum im Flüchtlingscamp Palabek im Norden Ugandas begleitet sie Schülerinnen und Schüler in allen Fragen rund um Gleichstellung und Chancengerechtigkeit. Sie organisiert sogenannte Gender Clubs, in denen Jugendliche Probleme diskutieren und gemeinsam Lösungen entwickeln, bietet Beratungen an, führt Schulungen durch und begleitet Betroffene geschlechtsspezifischer Gewalt.
Mädchen dieselben Chancen bieten
Zu ihren Aufgaben gehören außerdem Trainings zu Lebenskompetenzen, Unternehmertum und Gleichstellung sowie die Umsetzung der Gender- und Kinderschutzrichtlinien am Ausbildungszentrum. Besonders häufig erlebt Jennifer Ruth, dass Mädchen ihre Ausbildung aus finanziellen Gründen abbrechen müssen. „Viele Familien verfügen nur über sehr wenig Geld. Wenn sie sich entscheiden müssen, welches Kind zur Schule gehen kann, wird oft zuerst der Junge unterstützt.“
Das von Jugend Eine Welt unterstützte Projekt setzt deshalb nicht nur bei den Jugendlichen an, sondern bezieht auch Eltern und Betreuungspersonen ein. Ziel ist es, das Bewusstsein dafür zu stärken, dass Bildung für Mädchen genauso wichtig ist wie für Buben. „Wenn ein Mädchen eine Ausbildung erhält, kann sie später ihre Familie unterstützen und zum Einkommen beitragen. Bildung stärkt die ganze Gemeinschaft.“
Teenagerschwangerschaften verhindern – Zukunft sichern
Ein weiteres zentrales Thema sind Teenagerschwangerschaften. Viele junge Frauen verlassen nach einer Schwangerschaft die Schule und verlieren damit ihre Chance auf einen Beruf. Gemeinsam mit den Gender Clubs organisiert Jennifer Ruth Aufklärungskampagnen und Informationsveranstaltungen. „Wir möchten den Mädchen zeigen, wie wichtig ihre Ausbildung für ihre Zukunft ist und wie sie Schwangerschaften vermeiden können.“
Menstruation darf kein Hindernis sein
Auch die Menstruation ist ein Thema, über das häufig kaum gesprochen wird. Viele Schülerinnen fehlen regelmäßig im Unterricht, weil ihnen Hygieneartikel fehlen. Deshalb veranstaltet Jennifer Ruth Schulungen zum Menstruationsmanagement und stellt im Notfall Damenbinden zur Verfügung. „Schon diese kleine Unterstützung ermöglicht vielen Mädchen, weiterhin jeden Tag die Schule zu besuchen.“
Das Projekt zeigt Wirkung
Das Projekt „Gender Matters for Green TVET“ trägt bereits sichtbare Früchte. Seit 2023 konnten zahlreiche junge Frauen ihre Ausbildung erfolgreich abschließen. Allein im Bereich Solartechnik und Elektrotechnik erhielten 24 Schülerinnen Stipendien. Darüber hinaus werden die Jugendlichen in Unternehmensführung geschult und beim Einstieg ins Berufsleben unterstützt. Einige Absolventinnen und Absolventen haben bereits kleine Elektrogeschäfte eröffnet, andere erhielten Ziegen als Starthilfe für eine landwirtschaftliche Existenz. So entstehen Einkommen – und neue Arbeitsplätze für weitere junge Menschen.
Leben im Flüchtlingscamp
Das Don Bosco-Ausbildungszentrum befindet sich im Flüchtlingscamp Palabek im Norden Ugandas, das überwiegend Menschen aus dem Südsudan aufnimmt. Viele Jugendliche kommen ohne Eltern oder haben Krieg und Vertreibung erlebt. Besonders Frauen und Kinder sind von Armut betroffen. „Viele besitzen nichts, wenn sie zu uns kommen. Sie brauchen Bildung, aber auch Hoffnung“, erzählt Jennifer Ruth. Gemeinsam mit den Salesianern Don Boscos unterstützt Jugend Eine Welt die Jugendlichen mit Ausbildung, Lernmaterialien und persönlicher Begleitung. Dennoch bleibt der Bedarf groß. Neben den Ausbildungskosten fehlen häufig selbst grundlegende Dinge wie Kleidung, Hygieneartikel oder Seife. „Zahlreiche junge Menschen konnten bereits von dem Projekt profitieren. Aber jedes Jahr kommen neue Jugendliche ins Camp, die dieselbe Chance verdienen. Wenn das Projekt weitergeführt wird, können noch viel mehr Mädchen und Burschen eine Ausbildung absolvieren und sich eine Zukunft aufbauen“, so Jennifer Ruth. Denn gerade in einem Flüchtlingscamp bedeutet Bildung weit mehr als einen Schulabschluss. Sie eröffnet die Möglichkeit auf ein selbstbestimmtes Leben.