Weltweit sind nach UNICEF-Schätzungen bis zu 250.000 Kinder und Jugendliche in bewaffneten Konflikten aktiv. Viele werden zwangsrekrutiert, geraten in kriminelle Strukturen oder schließen sich aus Not bewaffneten Gruppen an. Sie benötigen intensive Betreuung, psychosoziale Unterstützung und langfristige Perspektiven, um wieder in ein sicheres Leben zurückzufinden. Anlässlich des Internationalen Tages gegen den Einsatz von Kindersoldaten am 12. Februar macht die österreichische Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt auf die Situation ehemaliger Kindersoldaten in Kolumbien aufmerksam und zeigt, wie nachhaltige Projekte vor Ort helfen.
Große Wirkung
In den Millionenstädten Medellín und Cali unterstützt Jugend Eine Welt seit über 20 Jahren gezielte Programme für Jugendliche, die Zwangsdiensten in bewaffneten Gruppen ausgesetzt waren. Diese Programme sind interdisziplinär aufgebaut: Fachpersonal aus den Bereichen Sozialarbeit, Psychologie, Pädagogik und Ernährung, sowie Juristinnen und Juristen bzw. speziell ausgebildete Lehrkräfte begleiten die Jugendlichen individuell. Viele kommen aus indigenen Gemeinschaften und sprechen andere Sprachen, weshalb der Unterricht an ihre Bedürfnisse angepasst wird. „Die Jugendlichen kommen oft erst im Alter von 15 Jahren zu uns. Innerhalb von zwei Jahren begleiten wir sie durch speziell angepasste Schul- und Sozialprogramme, damit sie die Fähigkeiten erwerben, die sie für ein selbstbestimmtes Leben benötigen“, erzählt Pater Rafael Bejarano Rivera SDB, langjähriger Projektpartner von Jugend Eine Welt sowie Generalrat für Jugendpastoral und soziale Werke der Salesianer Don Boscos. „Die Wirkung ist sehr groß: Die jungen Menschen spüren, dass sie gesehen werden und dass es einen Weg aus ihrer schwierigen Situation gibt“, so der aus Kolumbien stammende Experte für Jugend- und Sozialarbeit weiter.
Psychosoziale Betreuung, Schul- und Berufsausbildung
Seit der Implementierung der Programme vor 26 Jahren konnten bereits über 3.000 Jugendliche unterstützt werden. Ziel ist es, durch geschützte Wohnheime, psychosoziale Betreuung, speziell angepasste Schul- und Berufsausbildung sowie Familienintegration langfristige Perspektiven zu schaffen und die Würde der Betroffenen wiederherzustellen. „Wir arbeiten eng mit der Regierung und den zuständigen Rechtsstellen zusammen, da die Jugendlichen als Opfer anerkannt werden. Die Familie ist ein zentraler Bestandteil der Betreuung: Wir versuchen, den Kontakt zu den Familien wiederherzustellen und die Jugendlichen langfristig in ein sicheres Umfeld zu integrieren“, erzählt Pater Rafael Bejarano Rivera SDB. Aus Sicherheitsgründen erhalten die traumatisierten ehemaligen Kindersoldaten meist in einem anderen Teil des Landes Unterkunft und Schutz. „Es kommt schon mal vor, dass wir für die Zusammenführung mit den Eltern sogar mit dem Hubschrauber in den Regenwald fliegen müssen, da die Kinder aus indigenen Stämmen stammen“, so der langjährige Jugend Eine Welt-Projektpartner.
Freiwillige Hilfe aus Österreich
Ein zentraler Bestandteil der Programme sind zudem Freiwilligeneinsätze aus Österreich über die von Jugend Eine Welt und den Salesianern Don Boscos getragene Entsendeorganisation „VOLONTARIAT bewegt“. Junge Österreicherinnen und Österreicher, die sich nach der Matura für ein Soziales Jahr oder einen Zivilersatzdienst entscheiden, arbeiten freiwillig in den Projekten mit. Sie unterstützen beim Unterricht, bei kreativen und handwerklichen Projekten, beim Aufbau sozialer Kompetenzen und bei der individuellen Betreuung. Gleichzeitig lernen die Freiwilligen selbst wichtige Fähigkeiten fürs Leben: interkulturelle Sensibilität, Geduld, Empathie und die Fähigkeit, auf die speziellen Bedürfnisse junger Menschen einzugehen, die Gewalt, Missbrauch oder Zwangsdienste erlebt haben. „Diese Begegnungen sind für beide Seiten bereichernd – sie stärken die Jugendlichen und öffnen gleichzeitig den Freiwilligen neue Perspektiven auf Solidarität und gesellschaftliches Engagement“, so Pater Rafael Bejarano Rivera.
Programme zeigen, wie nachhaltige Hilfe funktioniert
Für Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt, zeigen die Programme in Medellín und Cali, wie nachhaltige Hilfe funktioniert. „Langfristige Begleitung, spezialisierte Fachkräfte und die individuelle Förderung der Jugendlichen eröffnen echte Chancen auf Bildung, Schutz und ein selbstbestimmtes Leben. Unser Ziel ist es, jungen Menschen, die Gewalt und Missbrauch erlebt haben, konkrete Zukunftsperspektiven zu geben. Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende“, so Heiserer abschließend.