Mit Besorgnis reagierte Reinhard Heiserer, Geschäftsführer der österreichischen Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt, auf die heute veröffentlichten Zahlen zu Österreichs öffentlichen Entwicklungshilfeleistungen im Jahr 2025. Denn Österreichs sogenannte ODA-Quote (Official Development Assistance, ODA) betrug im Vorjahr nur 0,33% des Bruttonationaleinkommens (BNE). 2024 waren es noch 0,35%. „Entwicklungshilfe ist kein optionaler Budgetposten. Sie ist eine notwendige Investition in Stabilität, Frieden und Perspektiven weltweit. Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit treffen die Ärmsten der Armen unmittelbar – und sie kommen genau zu einem Zeitpunkt, an dem globale Krisen weiter eskalieren“, so Heiserer, der unmissverständlich klar macht: „Wenn wohlhabende Länder wie Österreich bei den Entwicklungshilfeleistungen jetzt sparen, gefährden sie nicht nur konkrete Projekte, sondern auch die Zukunftschancen ganzer Generationen im Globalen Süden. Die Folge: Die Sparmaßnahmen werden auf Österreich zurückschlagen wie ein Bumerang.“
Tigray: Kein Treibstoff, kein sauberes Trinkwasser
Welche dramatischen Auswirkungen Konflikte, wie derzeit der Krieg im Iran, auf bereits bestehende Krisen im Globalen Süden hat, zeigt sich aktuell im Norden von Äthiopien. Zehntausende, die in der Tigray-Region vor dem mittlerweile beendeten Bürgerkrieg fliehen mussten und in eigens geschaffenen Camps Schutz fanden, sind derzeit von der Wasserversorgung abgeschnitten. Grund ist die extreme Kraftstoffknappheit in der Region. „Bedingt durch den Iran-Krieg mussten die Kraftstofflieferungen vollständig eingestellt werden, nachdem zuvor bereits ein starker, anhaltender Rückgang von 12–15 Millionen Litern pro Monat auf nur noch 850.000 Liter zu verzeichnen war“, schildert Wolfgang Wedan, Globaler Nothilfekoordinator von Jugend Eine Welt. „Das hat verheerende Folgen: Auf offiziellem Wege ist kein Treibstoff mehr zu bekommen. Unsere Tank-LKWs, die sonst regelmäßig Wasser liefern, stehen still und kommen nicht mehr in die Camps. Die Menschen haben somit kein sauberes Trinkwasser, von den hygienischen Auswirkungen möchte ich gar nicht sprechen.“ Laut Wedan sind Benzin und Diesel in der Tigray-Region aktuell – wenn überhaupt - nur noch auf dem Schwarzmarkt zu bekommen. „Die Preise sind verrückt. Berichten zufolge kostet ein 10-Liter-Kanister 45 Euro.“
Kürzungen bei Entwicklungshilfe bedingen Bumerang-Effekt
Jugend Eine Welt-Geschäftsführer Heiserer erinnert, dass Investitionen in Entwicklungszusammenarbeit langfristig auch den Geberländern zugutekommen – während Kürzungen spürbare negative Rückwirkungen haben. Denn wirtschaftliche Perspektiven in ärmeren Regionen tragen dazu bei, Konflikte zu verringern und die internationale Sicherheit zu stärken. Gleichzeitig eröffnet der Zugang zu Bildung, Arbeitsplätzen und Infrastruktur den Menschen vor Ort neue Perspektiven und stärkt ihre Zukunft in der eigenen Heimat. „Wachsende Volkswirtschaften im Globalen Süden eröffnen zudem neue Märkte für europäische Unternehmen, schaffen Arbeitsplätze und fördern wirtschaftliches Wachstum. Auch bei globalen Herausforderungen wie Klimawandel oder Pandemien sind stabile Partnerländer entscheidend, um wirksame Lösungen umzusetzen, die letztlich auch Europa schützen“, führt Heiserer aus.
Österreich soll klares Zeichen der internationalen Solidarität setzen
„Gerade die Einsparungen in den Budgets der Austrian Development Agency (ADA) und des Auslandskatastrophenfonds (AKF) treffen generell unsere Arbeit und die notleidenden Menschen im Globalen Süden sehr hart“, erklärt Jugend Eine Welt-Geschäftsführer Heiserer. „Besonders in einer Zeit, in der viele Staaten ihre Entwicklungshilfe drastisch zurückfahren, bräuchte es ein klares Gegenzeichen – nicht weniger, sondern deutlich mehr Mittel für internationale Solidarität. Abgesehen davon hat sich Österreich schon vor Jahren zum international vereinbarten Ziel der OECD-Staaten, jährlich 0,7% des Bruttonationaleinkommens (BNE) für öffentliche Entwicklungshilfeleistungen bereitzustellen, bekannt. Österreich sollte daher den Bumerang stoppen und im kommenden Doppelbudget die Gelder für die Austrian Development Agency, für den Auslandskatastrophenfonds wie auch für internationale Klimaprojekte zumindest auf das Niveau von 2024 heben. Damit könnte eine echte Trendwende eingeläutet werden“, appelliert Heiserer.
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