„Erst kürzlich haben die Astronauten der Artemis 2 auf ihrer Mondmission wieder über die Einzigartigkeit unserer Welt im All berichtet. Eine Einzigartigkeit, die wir oft übersehen und unterschätzen. Ein Planet, eine Welt, auf die wir wirklich aufpassen müssen“, betont Reinhard Heiserer, Geschäftsführer der österreichischen Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt, anlässlich des „Tag der Erde“ am 22. April. „In der Projektarbeit muss es daher unser Ziel sein, konkrete Perspektiven für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen. Denn die Folgen der Klimaveränderung treffen jene Regionen besonders hart, die am wenigsten dazu beigetragen haben“, erinnert Heiserer an Afrika südlich der Sahara, wo Menschen mit Dürren, Wasserknappheit und Ernteausfällen kämpfen, an Südasien, wo immer häufiger auftretende Überschwemmungen, Hitzewellen und Zyklone zu massiven Schäden führen, und an das Amazonasgebiet, wo die Abholzung Waldverlust, Artensterben und veränderte Niederschlagsmuster verursachen. Heiserer: „Mit dem ‚Back to Nature‘-Programm von Jugend Eine Welt setzen wir genau dort an. Der Fokus liegt auf Umwelt- und Klimaschutz sowie auf nachhaltigen Lebensweisen. Dadurch können natürliche Lebensgrundlagen bewahrt und gleichzeitig auch die Lebensbedingungen von Menschen in benachteiligten Regionen nachhaltig verbessert werden.“
Nachhaltige Landwirtschaft und Bildung als Schlüssel
Ein zentraler Ansatz vom „Back to Nature“-Programm ist die Verbindung von ökologischer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit: Nachhaltige Lösungen müssen für die Menschen vor Ort auch finanziell tragfähig sein. Gerade im Globalen Süden ist das entscheidend, denn dort sichert ökologische Landwirtschaft oft unmittelbar die Existenz ganzer Familien. Im Zentrum des „Back to Nature“-Programms stehen daher kleinbäuerliche Familien, die neue Anbaumethoden erlernen, damit sie ein stabiles Einkommen haben und die Ernährungssicherheit in der Region hergestellt wird. „Ergänzend dazu setzen wir gezielte Maßnahmen zum Schutz der Umwelt um – etwa nachhaltige Aufforstungsprojekte und Initiativen zum Erhalt von Ökosystemen“, erklärt Hannes Velik, Verantwortlicher für den Bereich Programme und Kooperationen bei Jugend Eine Welt. Dabei wird bewusst auf standortangepasste und ökologisch sinnvolle Lösungen gesetzt.
Ebenso zentral ist der Bildungsbereich: Durch praxisnahe Schulungen – etwa zu erneuerbaren Energien oder nachhaltiger Ressourcennutzung und Betriebswirtschaft – erwerben Menschen vor Ort das Wissen, um langfristig eigenständig und nachhaltig wirtschaften zu können. So gestalten sie ihre Zukunft selbst und tragen ihr Wissen in ihre Gemeinden weiter. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Frauen, deren Kompetenzen und Engagement eine Schlüsselrolle spielen. Der Ansatz reicht von der Veränderung von Bewusstsein und Denkweisen bis hin zur konkreten Gestaltung von Lebensräumen – von der Bewusstseinsveränderung zur Veränderung der Lebensrealität. Ergänzt wird dieser Zugang durch Süd-Süd-Austausch: Gemeinschaften lernen voneinander, entwickeln gemeinsam Lösungen und inspirieren sich über Ländergrenzen bzw. Kontinente hinweg.
Erfolgsbeispiel Mindanao: Wirkung vor Ort
Wie wirksam dieser Ansatz ist, zeigt das von Jugend Eine Welt unterstützte Projekt der Don Bosco Foundation for Sustainable Development auf der südphilippinischen Insel Mindanao. In den Gemeinden Banisilan und Arakan – einer Region, die stark von extremen Wetterereignissen, unsicheren politischen Rahmenbedingungen und mangelnder Infrastruktur geprägt ist – unterstützt Jugend Eine Welt kleinbäuerliche Familien beim Umstieg auf nachhaltige Landwirtschaft. Das zugrunde liegende Konzept kombiniert verschiedene landwirtschaftliche Elemente und stimmt sie gezielt aufeinander ab, um Ressourcen effizient zu nutzen, Risiken zu minimieren und die Umwelt zu schonen. „Die Zahl der teilnehmenden Familien konnte von 967 auf 2.008 mehr als verdoppelt werden. Gleichzeitig wurde die ökologisch bewirtschaftete Fläche auf über 2.000 Hektar ausgeweitet“, erläutert Velik.
Schulungen und Trainings erreichten tausende Teilnehmende und führten zu nachhaltigen Veränderungen in der landwirtschaftlichen Praxis. Während viele Betriebe zuvor auf wenige, oft risikoreiche Monokulturen angewiesen waren, bauen sie heute bis zu 37 verschiedene Kulturpflanzen an. Diese Diversifizierung stärkt die Ernährungssicherheit und erhöht die Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimaschwankungen deutlich.
Für eine lebenswerte Welt heute und für kommende Generationen
Auch wirtschaftlich zeigt das Projekt deutliche Fortschritte: In einzelnen Fällen konnten Einkommen von etwa 5.000 auf bis zu 55.000 philippinische Pesos (rund 780 Euro) pro Monat gesteigert werden. Mehr als 500 Familien produzieren mittlerweile Bio-Bananen für den lokalen Markt und für den Export nach Japan und profitieren so von stabilen Absatzmöglichkeiten. Zusätzlich entstehen neue Einkommensquellen durch die Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte, wodurch die lokale Wertschöpfung gestärkt wird. „Das Projekt zeigt, stellvertretend für unsere ‚Back to Nature‘-Initiativen weltweit, dass nachhaltige Landwirtschaft nicht nur ökologische Vorteile bringt, sondern auch konkrete wirtschaftliche Perspektiven schafft“, so Heiserer.
Das Programm ermöglicht stabile Lebensgrundlagen, stärkt lokale Strukturen und erhöht die Resilienz ganzer Gemeinden gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels. „Gerade der Tag der Erde erinnert uns daran, dass nachhaltiges Handeln keine Option, sondern eine Notwendigkeit ist. Es gibt keine zweite oder dritte Erde oder zweite oder dritte Welt. Wir haben nur diese EINE Welt – und wir dürfen sie nicht auf Kosten der nächsten Generationen ausbeuten“, appelliert Heiserer.
Weiterführende Informationen zum “Back to Nature”-Programm von Jugend Eine Welt finden Sie hier.