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Januar 2015

    Nun hat also unser Jubiläumsjahr begonnen.

    Unser? Ja! Jugend Eine Welt feiert 200 Jahre Don Bosco, wir Schwestern feiern 60 Jahre Marienkron.

    Was das miteinander zu tun hat?

    1955 machten sich sechs Schwestern von Seligenthal/Landshut/Bayern auf den Weg nach Mönchhof/Burgenland. Sie waren Lehrerinnen; wie Seligenthal sollte auch das neue Kloster zur Betreuung der Kinder und Jugendlichen eine Schule haben. Die Entwicklung wurde eine andere: nach den ersten Jahren des Unterrichtens in Schule und Pfarrei kamen immer mehr Erwachsene zu uns. Sie weiteten unseren Blick auf die Kinder und Jugendlichen in der ganzen Welt! Durch sie fand Marienkron auch zu Jugend Eine Welt.

    Und wie alle Jahre beten wir auch im Jubiläumsjahr jeden Abend für die Welt:

    Salve Regina – sei gegrüßt, o Königin,

    advocata nostra - unsere Fürsprecherin,

    illos tuos misericordes oculos ad nos converte – wende Deine barmherzigen Augen uns zu … 

    Geistliche Impulse

      Im Jahr 2015 regt Sr. Mirjam Dinkelbach O.Cist von der Zisterzienserinnen-Abtei Marienkron mit ihren geistlichen Impulsen zum Nachdenken an.

      Februar 2015

        Bei meiner Kerze liegt ein Buch. Es heißt „Mit den Heiligen durch das Jahr“. Die Tage sind alle gleich gestaltet: zuerst ein Leitgedanke, dann die Namen der Tagesheiligen.

        Von Don Bosco stehen gleich drei Zitate dort und an zwei Tagen!

        Am 31. Jänner lesen wir:
        „(Auf die Frage nach dem Erziehungssystem:) Ganz einfach. Den Jungen volle Freiheit geben, das zu tun, was sie am liebsten tun. Der springende Punkt dabei ist, herauszufinden, wo die Keime ihrer guten Eigenschaften liegen, und dann zu helfen, dass diese sich entfalten.“

        „Hilf dir, auf dass der Himmel dir hilft.“

        Am 1. Februar lesen wir:

        „Wer geliebt wird, erreicht alles, besonders bei jungen Menschen. Das Vertrauen der Liebe verbindet die Jungen und die Vorgesetzten wie elektrischer Strom. Mit der Herzlichkeit der Liebe vermögen die Vorgesetzten Sorgen, Ärger, Enttäuschungen, Versagen der Jugendlichen zu ertragen. Jesus Christus zerbrach das geknickte Rohr nicht, er löschte das flackernde Licht nicht aus.“

        Don Bosco ist also nicht nur uns, sondern auch den beiden Autoren (Odilo Lechner, Ulrich Schütz) besonders ans Herz gewachsen.

        März 2015

          „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen.“ - Das berühmteste Wort Don Boscos gilt in allen Jahreszeiten.

          April 2015

            Dom Helder Camara, der beliebte brasilianische Erzbischof, hat den Kindern und Jugendlichen großes Vertrauen entgegengebracht, wenn er an den Weg der Versöhnung dachte, zu dem wir gerufen sind.

            Sein Gedicht über den Globus mag ich sehr gern; es zeigt, dass auch er selber trotz aller Erwachsenen-Sorgen sich das kindliche Gemüt bewahrt hat, das allein in der Lage ist, alles von Gott zu erhoffen.

            „Wenn ich könnte,

            gäbe ich jedem Kind

            eine Weltkarte…

            Und wenn möglich,

            einen Leuchtglobus,

            in der Hoffnung,

            den Blick des Kindes

            aufs äußerste zu weiten

            und in ihm

            Interesse und Zuneigung zu wecken

            für alle Völker,

            alle Rassen,

            alle Sprachen,

            alle Religionen!“

            aus: Helder Camara, Mach aus mir einen Regenbogen

            Domenico Savio
            Domenico Savio

            Mai 2015

              Von Domenico Savio (1842-1857) hörte ich zum ersten Mal vor fünf Jahren, am 20.8.2010. Mit einer JEW-Mitarbeiterin hatte ich überlegt, an welchem Tag bei uns die Fürbitte für JEW stattfinden könnte. Ihre Vorschläge waren: am 31.1. (Don Bosco) oder am 6.5 (Domenico Savio). Ich entschied mich für Don Bosco, weil ich Domenico Savio nicht kannte.

              Inzwischen habe ich mich ein wenig mit Domenico Savio beschäftigt. Schon die kurzen Angaben in meinem kleinen Heiligenkalender und ein Blick ins Internet haben mich sehr berührt, weil uns vieles verbindet, z.B.:

              1954 wurde Domenico Savio heiliggesprochen.

              1954 wurde die Gründung unseres Klosters beschlossen.

              1954 war nämlich von Papst Pius XII zum außerordentlichen Jubiläumsjahr zu Ehren Mariens erklärt worden (daher unser Name „Marienkron“). Denn: 100 Jahre zuvor:

              1854 wurde das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens verkündet. Und:

              1854 am 8. Dezember, als in Rom das Dogma der Unbefleckten Empfängnis verkündet wurde, war Domenico schon einige Wochen im Oratorium Don Boscos. Am Abend kniete er sich vor dem Altar der Gottesmutter nieder und erneuerte gemäß der Empfehlung von Don Bosco seine Erstkommunionvorsatze. Dann betet er immer wieder: „O Maria, dir schenke ich mein Herz: gib, dass es stets dein sei! Jesus und Maria, bleibt immer meine Freunde!“

              Mit diesen „Zufällen“ kommt es mir so vor, als wäre ich diesem weisen Jugendlichen persönlich begegnet; als würden wir schon immer zusammengehören. Ich möchte auch noch viel mehr von ihm wissen. Und der Tag der Fürbitte für JEW ist ab heuer der 6. Mai!

              Juni 2015

                Der 3. Juni ist der Gedenktag von Papst Johannes XXIII. Für uns als burgenländische Regionalstelle ist es ein besonderer Tag. Papst Johannes ist nämlich nicht nur der Gründer unserer Diözese (der Diözese Eisenstadt), sondern er hat uns auch etwas zu sagen:


                „Meine Familie ist die ganze Welt. Dieses Gefühl universaler Zusammengehörigkeit muss meinen Verstand, mein Herz und mein Tun bestimmen.“

                So schrieb er während einer Geistlichen Einkehr im Vatikan (29.11.-5.12.1959) in sein Tagebuch. Dieser Satz beschreibt wunderbar unsere Haltung bei Jugend Eine Welt: bei der Arbeit und in der Freizeit, im Büro und im Einsatzland, in der Begegnung mit den Menschen und beim Raufen mit Papierkram und Telefon, bei kleinen Handgriffen und sogenannten großen Taten: „Meine Familie ist die ganze Welt. Dieses Gefühl universaler Zusammengehörigkeit muss meinen Verstand, mein Herz und mein Tun bestimmen.“

                Domenico Savio

                Juli 2015

                  „Wie Dominico Savio kreativ sein und fröhlich bleiben ;-)!“

                  Auf der Suche nach Spuren von Domenico Savio fand ich die Pfarre Neuerlaa, 1230 Wien, die ursprünglich von den Salesianern Don Boscos betreut wurde. Pfarrer Georg Zluwa hat uns das wunderschöne Foto geschickt und erzählt uns hier, wie der Geist Dominico Savios auch heute das Gemeindeleben prägt:

                  „Unsere Pfarre Neuerlaa am südlichen Stadtrand von Wien ist dem hl. Dominico Savio geweiht. Von unserem Kirchenpatron haben wir eine kleine Reliquie."

                  Wichtiger als alle Denkmäler (siehe Foto) ist aber der Geist Dominico Savios, und den können wir gut brauchen. Eine „klassische“ Kinder- und Jugendpastoral mit wöchentlichen Gruppenstunden gibt es bei uns nicht mehr. Aber auch Dominico Savio hatte es mit seinen Kollegen nicht leicht, immer wieder musste er kreativ sein und sich neues einfallen lassen. Um dem allgemeinen Missmut zu begegnen hat er einen „Club der Fröhlichen“ gegründet. Er wusste, dass Kinder und Jugendliche nicht gern reden, so hat er mit ihnen einen Marienaltar gebastelt. Zerstrittene Burschen konnte er friedlich vor dem Kampf trennen, Jugendliche mit wenig Zukunftsperspektiven zum Lernen ermutigen. Das klingt eigentlich alles nach den Problemen unserer Zeit, denen wir uns in der Pfarre durch Sakramentenvorbereitung, Feste (offenes Haus), Ferienspiel, Krippenspiel, speziell gestaltete Messen … zu stellen versuchen. Lagerfeuer, Spielwiese und Biotop lassen Kinder vieles erleben, was in unserer „zubetonierten“ Umgebung schwer möglich ist. Und vieles geht pfarrübergreifend: Jugendmessen und –feste; unsere Nachbarpfarre Inzersdorf-Neustift hat einen Jugendtreff (Sozialarbeit) und betreut jugendliche Flüchtlinge. Wie man sieht: Es ist nicht die „klassische“ Kinder- und Jugendpastoral, und trotzdem viel zu tun.

                  Also: Wie Dominico Savio kreativ sein und fröhlich bleiben ;-)!“

                   

                  August 2015

                    Herz bewegt


                    Folgende Gedanken sind in der Betrachtung des Juli-Beitrages gewachsen und haben mich, so glaube ich, direkt zur Geburtsstunde von Jugend Eine Welt geführt.

                    Domenico Savio, so beschreibt es Pfarrer Zluwa, hat sich etwas Neues einfallen lassen. Aber nicht einfach so. Seine Ideen waren nicht aus der Luft gegriffen, sondern eine Antwort auf das, was er um sich herum wahrgenommen hat: die Anliegen und Bedürfnisse seiner Kameraden.

                    Es ging ihm zu Herzen, wenn sie Streit hatten, mit den Schulaufgaben nicht zurechtkamen oder Zugang zum geistlichen Leben suchten. Dort engagierte er sich: konkrete Hilfe in konkreten Bedürfnissen und Anliegen. Mit Herz und Verstand tat er, was ihm gegeben war, gemeinsam mit Don Bosco, gleichgesinnten Gleichaltrigen und Jesus und Maria, die er seine Freunde nannte.

                    In diesem Geist entstand auch Jugend Eine Welt. Die Betroffenheit des Herzens beim Anblick der Armut und die Erkenntnis ihrer Wurzel führte zum Einsatz für:

                    Bildung gegen Armut

                    September 2015

                      Gottes Schrift

                      Im Hinblick auf den Schulbeginn möchte ich eine Erinnerung erzählen. Eine unserer Gründerschwestern war Lehrerin an der hiesigen Volksschule. Sie  war schon in Pension und hohem Alter, als ich sie fragte, ob sie noch gerne an ihre Zeit in der Schule denkt. „O ja“, sagte sie, „ich habe aber auch immer noch denselben Albtraum: dass die Kinder am Ende des ersten Schuljahres noch nicht lesen und schreiben können.“

                      Es war ihr ein Anliegen, die Kinder zum Leben zu ermächtigen. Abgesehen von praktischen, sozialen, kulturellen Zielen sind in unserer geistlichen Tradition Lesen und Schreiben Grundelemente des Menschseins. So selbstverständlich, dass es nicht einmal kommentiert wird: Gott teilt sich uns schreibend mit!

                      „Mose kehrte um und stieg den Berg hinab, die zwei Tafeln der Bundesurkunde in der Hand, die Tafeln, die auf beiden Seiten beschrieben waren. Auf der einen wie auf der anderen Seite waren sie beschrieben. Die Tafeln hatte Gott selbst gemacht, und die Schrift, die auf den Tafeln eingegraben war, war Gottes Schrift.“ (Exodus 32,15.16; vgl. auch 31,18 und Deuteronomium 5,22)

                      Lesen und Schreiben lernen ist ein Grundrecht des Menschen. Man MUSS es jedem Menschen ermöglichen. Das war der Grund der Sorge meiner Mitschwester. Und es ist der Motor von Jugend Eine Welt.

                       

                      November 2015

                        Herz bewegt, Teil 2

                        Diesmal möchte ich den Patron des Burgenlandes in den Mittelpunkt stellen. Am 11.11.2015 beginnt nämlich das Jubiläumsjahr „1700 Jahre Heiliger Martin“. Seine Spontaneität ist beispielhaft. Er ist einfach der Stimme seines Herzens gefolgt.

                        Seit meiner Kindheit sehe ich die Szene plastisch vor Augen. Am Martinstag versammelte sich das ganze Dorf vor der Kirche. Zuerst wurden die Martinslaternen angezündet. Mit Beginn der Dunkelheit machten sich Musikkapelle, Eltern, Kinder, jung und alt singend, betend, schweigend auf den Weg über die weiten Felder, Rheinwiesen und wieder zurück zur Kirche. Der Vorplatz war inzwischen erleuchtet durch ein großes Feuer. In dessen Licht und Nähe saß eine gebeugte Gestalt am Boden. Gespannt lauschten wir dem nahenden Hufgeklapper. Ja, da kam der hl. Martin um die Ecke geritten. Er sah den frierenden Mann, zog das Schwert und schnitt seinen Mantel mitten durch. Dann stieg er vom Pferd und hüllte den Mann liebevoll darin ein.

                         

                        Man kann sich viele Fragen stellen über Effizienz, Hilfe zur Selbsthilfe, gerechte Strukturen und vieles mehr. Aber diese Überlieferung von Martin ist keine Abhandlung, sondern eine Ikone, eine Momentaufnahme. Er stieg vom Ross und teilte, was er besaß. In diesem Moment waren der edle Ritter und der arme Bettler miteinander auf Augenhöhe und gleich arm. Oder gleich reich.

                        Dezember 2015

                          Nikolaus

                           

                          "Eigentlich

                          könnte es uns egal sein

                          dass einst der Bischof

                          einer hungernden Hafenstadt

                          Kinder mit Essen versorgte

                          aber es ist die Erinnerung an

                          Ängste und Träume

                          Schiffe und Sehnsucht

                          Beten und Wunder

                          die uns diese Geschichte

                          gerade im Advent

                          nächtens und liebevoll

                          vor die Tür und

                          in die Schuhe schiebt“

                           

                          Hinrich C. G. Westphal

                           

                          Dieses kleine Gedicht habe ich mal irgendwo gelesen und mir beim 6. Dezember in meinen Gebetskalender geschrieben. Es ist wunderbar. Es ist gewagt, Grauen und Nostalgie in einem Satz unterzubringen. Aber Westphal hat es gewagt. Tod und Auferstehung. Untergang und Rettung. Nikolaus von Myra (heute Demre, Türkei) erschien den Menschen in Seenot und brachte sie ans Ufer. Es ist heute so aktuell wie vor 1650 Jahren. Normalerweise schiebt man einander Schuld in die Schuhe. Westphal schiebt einen liebevollen Gedanken in die Schuhe. Er macht aus Nostalgie wieder Erinnerung, und die Erinnerung zum Auftrag. Jugend eine Welt lässt sich davon bewegen.


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