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Ich habe mir so sehr ein Zuhause gewünscht

    Miguels Geschichte

    Rauchen ist besser als Plastik schnüffeln! Davon war Miguel überzeugt, als er noch auf der Straße lebte. Damals war er zehn und die synthetische Droge „Sha-bu“ war sein ständiger Begleiter. Mit ihrer Hilfe konnte er den har-ten Alltag besser ertragen – den Hunger, die Obdachlosigkeit, die Angst vor Verfolgung und Gewalt. Muntinlupa City, wo Miguel lebt, ist ein Stadtbezirk von Manila mit 487.000 Einwohnern. Wie in allen philippinischen Großstädten leben hier tausende Kinder auf der Straße, die sich mit Betteln, Müll-sammeln und kleinen Gelegen-heitsjobs durchschlagen müssen.

    Hunger und Verzweiflung

    „Meinen Vater habe ich nie kennen-gelernt“, berichtet Miguel. „Und meine Mutter war eigentlich auch nie zuhause, sie ließ mich bei den Großeltern, die sollten auf mich aufpassen. Aber das haben sie nicht gemacht. Sie brauchten Geld für Alkohol und haben mich zum Betteln geschickt. Und immer, wenn ich nicht genügend Geld heimbrachte, wurde ich geschla-gen ...“. Aus Angst vor den fast täglichen Misshandlungen kam Miguel immer öfter nicht nach Hause. Stattdessen übernachtete er in Hauseingängen, am Straßen-rand oder in Garagen. Er fand Freunde unter den anderen Stra-ßenkindern und lernte schnell, dass der Diebstahl von Handys oder Handtaschen einträglicher war als das Betteln an Bus-stationen. Er lernte auch, ganz schnell wegzulaufen, wenn eine Polizeistreife näherkam. Manch-mal war ihm schlecht vor Hunger und Verzweiflung und immer öfter dachte er darüber nach, wie an-dere Kinder in einer Nachtbar zu arbeiten. Dort musste man für Geld mit Fremden schlafen ... Aber wenigstens gab es dort einen sicheren Platz zum Über-nachten und ein wenig Essen. Doch dann kam der Tag, der das Leben von Miguel für immer ver-ändern sollte.

    Erwischt!

    Miguel war wie so oft in den Straßen unterwegs, um etwas zu essen zu finden. Das wenige Geld, das er noch besaß, hatte er im Inneren seiner Shorts ver-steckt, doppelt gesichert mit Gummibändern. Und auch ein wenig „Shabu“ hatte er dabei ... Da standen plötzlich zwei Poli-zisten vor ihm, er hatte sie nicht kommen hören. Wo er denn wohne, wollten sie wissen, ob er zur Schule ginge? Einer legte seine Hand ruhig auf die Schulter des Jungen – kein Entkommen möglich. Nicht lange danach saß Miguel einer Sozialarbeiterin gegenüber, am ganzen Körper zitternd. Würde er jetzt wegen Drogenbesitz ins Gefängnis kom-men? Aber nein, die Frau war sehr freundlich und erzählte ihm von einem Platz, an dem ganz viele Kinder glücklich lebten – Kinder, die keine Familie hätten so wie er. Ob er sich den einmal anschauen wolle? So kam Miguel ins Don Bosco Straßenkinderdorf von Vater Rocky.Wie im HimmelWas Miguel in den nächsten Tagen erlebte war für ihn wie ein Traum. Er fühlte sich im wahrsten Sinn des Wortes wie im Himmel und brauchte wochenlang, um sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass er nie mehr Angst zu haben brauchte. Im Don Bosco Straßen-kinderdorf „Tuloy“ leben ca. 300 Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 18 Jahren, die alle von der Straße bzw. aus ganz schwie-rigen Lebensverhältnissen kom-men. Je 30 sind in einem eigenen Wohnhaus untergebracht, es gibt nicht nur Schulunterricht bzw. die Möglichkeit eine Berufs-ausbildung zu machen, sondern auch zahlreiche Spiel- und Sport-angebote. Wie viel bedeutete es für Miguel, endlich saubere Klei-dung zu tragen! Endlich genug zu essen zu haben! Bald lernte er auch Vater Rocky kennen, der das Kinderdorf 1993 gegründet hatte und der sich viel Zeit nahm, um ihm zu erklären, wie das Leben in Tuloy funktioniert und das jeder Einzelne hier seinen Beitrag leis-ten muss.

    Ein anderer Traum von Freiheit

    Dann kam Miguel in die Schule, mit 11 Jahren, zum ersten Mal in seinem Leben. Die anderen Kinder waren nett, aber es fiel ihm nicht leicht mitzukommen. Er merkte auch, dass ihm seine alten Freunde von der Straße fehlten und das „Shabu“ ... In seinem alten Leben war er oft erst nach Mitternacht schlafen gegangen, keiner hatte irgendetwas von ihm gefordert! Aber im Kinderdorf gab es klare Regeln, man musste früh aufste-hen und viele Hausarbeiten erle-digen. „Das war eine schwierige Zeit“, erinnert sich Miguel heute. Was ihm half war vor allem, dass die Türen von Tuloy immer offen standen: Keiner hinderte ihn da-ran wegzulaufen. „Tuloy heißt in unserer Sprache ́willkommen ́. Und je länger ich geblieben bin, desto wichtiger ist das Gefühl für mich geworden, dass ich hier bin, weil ich das selber möchte und weil ich hier zu Hause bin. Ich habe mir immer so sehr ein Zu-hause gewünscht!“ Heute ist Miguel 14 und geht in die Mittelschule. Er kommt gut mit, spielt in seiner Freizeit leiden-schaftlich gern Fußball und weiß noch nicht, ob er später eine Ausbildung zum Automechaniker, Comuptertechniker oder Elektriker machen möchte. Aber er weiß, er hat die Wahl! Und er ist sicher, nach seiner Ausbildung einen guten Arbeitsplatz zu finden.


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