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UN-Generalsekretärin propagiert 17 Weltziele im Parlament

    11. Mai 2017 - "Diese neuen Ziele bringen einen kompletten Paradigmenwechsel für die Entwicklungszusammenarbeit! Sie gelten für alle Länder... Und es geht nicht um Wohltätigkeit, wer in die Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele investiert, investiert in den Frieden. Unser Ziel müssen Frieden und Würde für alle Menschen sein, niemand darf zurückgelassen werden und wir müssen mit denen beginnen, die am verletzlichsten, am schwächsten und kleinsten sind."

    Die stellvertretende UN-Generalsekretärin Amina Mohammed fand am 11. Mai im Parlament klare Worte und lud Österreich dazu ein, die Umsetzung der 17 neuen Weltziele (SDGs), die bis 2030 realisiert werden sollen, zur "Chefsache" zu machen. Als Mitglied der zivilgesellschaftlichen Arbeitsgruppe zu den SDGs freute sich Jugend Eine Welt über die Einladung zu diesem hochrangigen Event, zu dem Nationalratspräsidentin Doris Bures Parlamentarierinnen und NGOs eingeladen hatte. An unserer Seite: Projektpartner Br. Lothar Wagner, der zum Jugend Eine Welt 20-Jahre Jubiläum nach Wien gekommen war.

    Politischer Wille zur Umsetzung notwendig
    Seit kurzem ist Lothar Wagner in Liberia tätig, wo er sich wieder um jene Kinder kümmert, die von der Gesellschaft an den Rand gedrängt werden - wie beispielsweise obdachlose "Friedhofskinder", die in Grabmälern übernachten, weil sie sonst keinen sicheren Schlafplatz finden. Jahrelang stand er als Direktor von "Don Bosco Fambul" Straßenkindern, sexuell ausgebeuteten Mädchen und Kindern im Gefängnis zur Seite, ebenso wie Ebola-Waisenkindern, die von ihren Familien verstoßen wurden. Bruder Lothar weiß aus eigener - bitterer - Erfahrung, dass die ehrgeizigsten UN-Ziele wenig nützen, wenn politischer Wille zu ihrer Umsetzung fehlt, die nötige Budgetierung ausbleibt und viele Akteure nur den eigenen Vorteil im Auge haben.

    Immer wieder weist er er darauf hin, wie kontraproduktiv beispielsweise Altkleider aus Europa oder auch hoch subventionierte Lebensmittel in Afrika wirken, weil sie die lokalen Märkte ruinieren. Auch durch Steuerflucht, illegale Geldflüsse und Korruption gehen Milliarden Dollar verloren, die im Sozialbereich dringend benötigt würden - was Amina Mohammed scharf kritisierte. Es sei unsere "kollektive Verantwortung" hier gegenzusteuern.

    Die 17 neuen Ziele dürften nicht isoliert betrachtet und angestrebt werden, sie würden alle zusammenhängen. So seien in ihrem Heimatland Nigeria die Problemfelder Klimawandel, Umweltverschmutzung und Konflikte eng verschränkt, da viele Nomadengruppen immer weniger nutzbares Land fänden. Umso wichtiger seien kohärente Nationale SDG-Umsetzungspläne. Das war indirekt auch eine unüberhörbare Einladung an Österreich, eine solche Strategie endlich zu entwickeln - eine der wichtigsten Forderungen der österreichischen Zivilgesellschaft.

    Neue Kampagne für SDGs
    Im Anschluss an die Rede der Stv. UN Generalsekretärin kamen die entwicklungspolitischen SprecherInnen der Parlamentsparteien zu Wort und auch seitens der Nichtregierungsorganisationen durften Fragen gestellt werden, die - von uns auf kleine Zettel geschrieben - von Moderatorin Corinna Milborn professionell auf Englisch vorgetragen wurden. Unsere Frage galt der Involvierung junger Menschen in die Umsetzung der SDGs - schließelich geht es um ihre Zukunft. Wie können sie von etwas begeistert werden, das auf den ersten Blick wenig lebensnah wirkt. Wie kann man die SDGs aus dem "Elfenbeinturm" holen?

    Amina Mohammed betonte die Bedeutung der jungen Generation, man müsse unbedingt "den Raum für sie öffnen" und sie so gut wie möglich einbeziehen. Es gäbe auch schon in zahlreichen Ländern eindrucksvolle Initiativen, wie das gelingen könne. Die UN sei sich jedoch bewusst, dass im Bereich Öffentlichkeitsarbeit noch viel getan werden müsse - darum möchte sie künftig eine neue Kampagne starten, um die SDGs international bekannter zu machen.


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