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„Das große Flüchtlingsdrama spielt sich in Afrika ab“

    Kritische Worte beim 4. Humanitären Kongress in Wien zum Thema Flucht /Jugend Eine Welt erinnert daran, wie wichtig Bildung für Flüchtlinge ist

      Die internationale Flüchtlingspolitik sei eine Schande, die Politik müsse ihr ihr humanitäres Engagement verstärken und weitgehend unbemerkt spielt sich das große Flüchtlingsdrama in Afrika ab. Es waren durchwegs kritische Worte, die beim 4. Interantionalen Humanitären Kongress am 3. März 2017 in den Festsälen der Wiener Universität fielen.

      "Forced to flee - Humanity on the Run" - unter diesem Titel diskutierten internationale und nationale Experten aus humanitären Organisationen, Politik, Wissenschaft, Medien sowie von Flucht betroffene Menschen u.a. über die Ursachen für Flucht und Migration, die internationale Menschenrechtslage oder über Tendenzen, das internationale Völkerrecht zu beschneiden. Referenten waren u.a. Yves Daccord, Generaldirektor des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Kate Gilmore, Stellvertretende Hochkommissarin für Menschenrechte (UNO), Manfred Nowak, Professor für Internationales Recht und Menschenrechte an der Universität Wien, sowie der Autor und Menschenrechtsaktivist Elias Bierdel und Mustafa Maalbawi, ein Arzt aus Syrien.

      Schande
      Massive Kritik kam von vielen Seiten am internationalen Wettlauf, das eigene Land durch diverse inhumane Maßnahmen für Flüchtlinge so unattraktiv wie nur möglich zu machen. "Es ist eine Schande, wie derzeit über Flüchtlinge gesprochen und mit ihnen umgegangen wird", sagte Annelies Vilim - Geschäftsführerin des NGO-Dachverbandes "AG Globale Verantwortung" und Mitveranstalter des Kongresses - in ihren einleitenden Worten. Mehr als 65 Millionen Menschen weltweit sind auf der Flucht. Dabei handelt es aber nicht um "irgendeinen Flüchtlingsstrom sondern um einzelne Männer, Frauen und Kinder, die in Not sind und Hilfe und eine menschliche Behandlung brauchen". Hier sei die Politik gefordert, ihr humanitäres Engagement massiv zu verstärken.

      "Nur ein geringer Teil der 65 Millionen Flüchtlinge versuchen in die westlichen Länder zu gelangen", erklärte Volker Türk, stellvertretender UNO-Flüchtlingshochkommissar, in seiner Rede. 80 Prozent würden in ihren Herkunftsregionen in Entwicklungsländern stranden, der Großteil davon sogar im eigenen Land als intern Vertriebene. Das große Flüchtlingsdrama spiele sich etwa "in Afrika ab - kaum jemand nehme davon Notiz, dass beispielsweise jeden Tag rund 2.200 Flüchtlinge aus dem Südsudan in Uganda ankommen würden." Dramatisch sei die Lage auch in der Zentralafrikanischen Republik oder im Kongo.

      Papstbesuch im Südsudan?
      Alistair Dutton, Direktor des "Scottish Catholic International Aid Fund" und früherer hochrangiger Mitarbeiter der Caritas Internationalis, erinnerte ebenfalls an die dramatische Situation im Südsudan, wo fünf Millionen Menschen dringend humanitäre Hilfe benötigten. Der angedachte Besuch von Papst Franziskus in dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Land könne tatsächlich ein Hoffnungsschimmer sein, wenn es gelingt, die verfeindeten Gruppen wieder zum Dialog zu bewegen, so die Einschätzung Duttons.

      Jugend Eine Welt: Bildung für Flüchtlinge essentiell
      Jugend Eine Welt, eine der Trägerorganisationen der "AG Globale Verantwortung", war am Kongress unter anderem auch mit einem eigenen Infostand verstreten. Jugend Eine Welt setzt sich mit vielen Projekten dafür ein, dass Flüchtlinge über Bildung eine Chance erhalten, die ihnen niemand nehmen kann. Flucht bedeutet gerade für Kinder und Jugendliche meistens: Schulabbruch, Drop-Out. Und selbst im Falle einer Anerkennung im Gastland ist die Chance auf einen Wiedereinstieg ins Schulsystem oft gering.

      Besonders dramatisch ist die Situation in Flüchtlingslagern. Im Lager Kakuma an der Grenze zum Südsudan, in das sich viele Südsudanesen geflüchtet haben, besuchen nur 3% der Minderjährigen eine weiterführende Schule! Und die Situation verschlimmert sich durch die aktuelle Hungerkrise täglich (siehe der aktuelle Aufruf zur Hungerhilfe für den Südsudan).

      Die Don Bosco Parnter von Jugend Eine Welt sind in verschiedenen Ländern aktiv, damit Flüchtlingskinder zumindest eine Basisbildung erhalten (neben den Hotspots in Afrika z.b. auch in Libanon, wo syrische Flüchtlingskinder kostenlos die Schule besuchen können). Gerade für Flüchtlinge ist der Zugang zu Wissen - Bildung - essentiell: Sie erlaubt ihnen, auf ihrer Odyssee an immer neuen Orten Fuß zu fassen. Sprachkurse, Alphabetisierungskurse für Kinder in Flüchtlingslagern, weiterführende Schulen für Jugendliche und ähnliches sind absolut notwendig. Aufgaben, die nicht allein von der Zivilgesellschaft oder den NGOs zu bewältigen sind sondern unbedingt auch von der Politik unterstützt werden müssen.


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