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    Indien: Blitz-Geld-Umstellung trifft Arme hart

      Die Hilfsorganisation Jugend Eine Welt, die in Indien zahlreiche Don Bosco Projekte für benachteiligte Kinder fördert, zeigt sich überrascht über die diese Woche blitzartig durchgeführte Abschaffung der beiden größten indischen Geldscheine.

      500 und 1000-Rupien-Scheine (umgerechnet €6,80 bzw. €13,60) wurden am Mittwoch buchstäblich über Nacht wertlos - und damit mehr als 80 Prozent des in Umlauf befindlichen Bargelds. Die alten Scheine können noch bis zum 30. Dezember auf Bankkonten eingezahlt oder in neu gedruckte Banknoten umgetauscht werden. Allerdings wurde der tägliche Eintauschbetrag auf 4.000 Rupien (€ 54) begrenzt.

      Arme Menschen betroffen
      "Diese Maßnahme trifft leider auch Millionen von armen Menschen hart, die gar kein Bankkonto besitzen - und das sind rund die Hälfte aller Inder", so Jugend Eine Welt Vorsitzender Reinhard Heiserer. Er hofft, dass Schwarzgeld-Geschäfte mit der Geld-Umstellung effizient bekämpft werden können. "Grundsätzlich ist jede Maßnahme zu begrüßen, die transparente Geldflüsse gewährleistet. Allerdings ist zu befürchten, dass Leute, die große Mengen an Schwarzgeld anhäufen, diese künftig einfach in Gold oder in Fremdwährungen anlegen werden."

      Salesianer-Pater Noel Maddhichetty, Direktor der Hilfsorganisation "BoscoNet" und Projektpartner von Jugend Eine Welt, hat ebenfalls Verständnis dafür, dass die Regierung illegale Geldflüsse eindämmen und Korruption und Steuerhinterziehung einen Riegel vorschieben möchte. Doch auch ihm macht die Geld-Umstellung große Sorgen. "Vor den Banken gibt es lange Schlangen. Vor allem arme Menschen, aber auch ganz normale Durchschnittsbürger haben momentan riesige Probleme. Und ich fürchte, sie werden auch langfristig darunter leiden, wenn wie geplant weniger Bargeld im Umlauf sein soll. Im indischen Alltagsleben werden immer noch die meisten Geschäfte in Bargeld getätigt. Arme Bauern, Arbeiter oder Kleinhändler haben kaum die Möglichkeit, bargeldlos zu zahlen oder bezahlt zu werden. Dazu kommt, dass vor allem in ländlichen Regionen viele Menschen kein Bankkonto haben und ihre mageren Ersparnisse zu Hause aufbewahren, weil die nächste Bank Kilometer weit entfernt ist."

      Maßnahme gegen Schwarzgeld
      Doch es gibt auch positive Stimmen. "Ich finde, die Geldumstellung ist eine positive Maßnahme, weil so viele Leute in Indien Schwarzgeld haben bzw. Geschäfte machen, für die sie keine Steuern zahlen", sagt die aus dem indischen Punjab stammende 19-jährige Komalpreet Randhawa, die bei Jugend Eine Welt derzeit eine Lehre zur Bürokauffrau macht. "Dass das Geld so blitzartig nicht mehr gültig ist, ist zwar für viele Menschen unbequem, macht aber Sinn - sonst hätten Schwarzgeld-Millionäre die Gelder noch schnell vor der Umstellung in Sicherheit bringen können."

      Die indische Regierung hat jedenfalls noch einen weiten Weg vor sich, um die Steuer-Moral im Land zu erhöhen - derzeit zahlen nur rund 1,6 Prozent der 1,25 Milliarden großen Bevölkerung Einkommenssteuer.

      Tipp: Indien wird 2017 im Fokus der Jugend Eine Welt Kampagne "Tag der Straßenkinder" stehen. Von 19. - 27. Jänner werden Pater Noel Maddhichetty und ein ehemaliges Straßenkind als Ehrengäste in Österreich sein und über die Situation von Straßenkindern in Indien berichten.

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