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Tag gegen Kinderarbeit: Junge Flüchtlinge in Europa brauchen mehr Schutz vor Ausbeutung und Menschenhandel

    Jugend Eine Welt fordert Recht auf Schulbildung für junge Flüchtlinge in Österreich

    Die Hilfsorganisation Jugend Eine Welt fordert anlässlich des Internationalen Tags gegen Kinderarbeit am 12. Juni verstärkte Maßnahmen gegen Ausbeutung von minderjährigen Flüchtlingen und Migranten in Europa. Österreich sollte jungen Flüchtlingen, die bisher keine Chance auf einen Schulabschluss hatten, darunter ehemaligen Kinderarbeitern, ein Recht auf Bildung zugestehen.

    "UN-Tage wie der Tag gegen Kinderarbeit sind eindringliche Mahnungen, einem wichtigen Thema mehr Aufmerksamkeit zu schenken: Mitten in Europa werden derzeit tausende Kinder und Jugendliche von brutalen Menschenhändlern ausgebeutet," so Jugend Eine Welt-Vorsitzender Reinhard Heiserer. "Wir rufen die österreichische Bundesregierung auf, dem Kampf gegen missbräuchliche Kinderarbeit und Menschenhandel höchste Priorität zu schenken, den Berichten über verschwundene Kinder nachzugehen und sich auf europäischer Ebene für verstärkte Präventions- und Schutzmechanismen einzusetzen."

    Italien - tausende Kinder spurlos verschwunden

    Besorgniserregende Berichte über die Ausbeutung von Minderjährigen liegen aus mehreren europäischen Ländern vor - auch aus Österreichs Nachbarland Italien. Hier ist missbräuchliche Kinderarbeit seit Jahren ein riesiges Problem, das durch die aktuelle Flüchtlingskrise noch weiter verschärft wird. Die häufigsten Formen der Ausbeutung sind Prostitution, erzwungenes Betteln, Drogenhandel und andere illegale Tätigkeiten wir Diebstahl oder Einbruch. Oftmals werden Jugendliche auch dazu gezwungen, auf Feldern, Märkten, in Autowaschanlagen oder in Restaurants stundenlang zu schuften. Die Bezahlung dafür ist minimal - wenn es überhaupt eine Entlohnung gibt. Die betroffenen Kinder kommen vor allem aus Albanien, Ägypten, Gambia, Ghana, Marokko, Nigeria, Rumänien, Marokko und dem Senegal. Häufig werden Jugendliche von kriminellen Netzwerken mit falschen Versprechungen nach Europa gelockt. In Italien angelangt, müssen sie ihre Schulden bei den Menschenhändlern abarbeiten.

    Eines der Hauptprobleme bei der Prävention missbräuchlicher Kinderarbeit ist laut Giulia Tosana von der Organisation VIS in Rom die schwierige Registrierung von Minderjährigen bei ihrer Ankunft in Italien. Viele würden von kriminellen Organisationen gleich nach ihrer Ankunft in Italien abgefangen - insbesondere unter 14-jährige und somit noch nicht strafmündige Kinder seien unter Menschenhändlern äußerst gefragt. Italien ist auch das Land, in dem die meisten minderjährigen Flüchtlinge nach ihrer Ankunft in Europa verschwunden sind: Hier verlor sich in den vergangenen beiden Jahren die Spur von mehr als 5.000 jungen Menschen. Europaweit verschwanden laut Europol rund 10.000 Jugendliche.

    Ob in Rom, Neapel, Turin oder Palermo: Die Salesianer Don Boscos und die Don Bosco Schwestern, mit denen VIS und Jugend Eine Welt eng zusammenarbeiten, tun ihr Möglichstes, um benachteiligte Kinder bzw. junge Flüchtlinge in Italien zu unterstützen und missbräuchliche Kinderarbeit zu verhindern. Jugend Eine Welt möchte künftig ein Hilfsprojekt der Don Bosco Schwestern zum Schutz von Kindern vor kriminellen Netzwerken und Prävention von Menschenhandel in Neapel unterstützen und sucht dafür Geldgeber.

    Ein Recht auf Bildung - auch für ehemalige Kinderarbeiter!

    In Österreich ist das Bewusstsein für die Aktualität und Brisanz des Themas Kinderarbeit leider nur gering ausgeprägt. Zahlreiche junge Flüchtlinge, die heute in Österreich leben, konnten in ihren Heimatländern die Schulbildung nicht abschließen, weil sie vor Krieg und Verfolgung fliehen mussten. Stattdessen waren viele von ihnen zur Arbeit gezwungen. Wie der 16-jährige Mohammed, der seit acht Monaten in Wien lebt. Seine Familie war aus der umkämpften syrischen Stadt Kobane in den Irak geflohen, wo ihr voll beladener LKW und damit ihr gesamter Besitz gestohlen wurde. Mohammed musste daraufhin am Bau arbeiten, mit der Schule war es vorbei. Doch auch seit er in Österreich lebt, stehen seine Chancen auf Schulbildung schlecht. Denn mit 16 gilt er als nicht mehr schulpflichtig - und ein Recht auf Schulbildung gibt es in Österreich bisher nicht. "Das macht mich sehr traurig. Ich glaube, dass der Mensch ohne Bildung nicht vollständig ist", meint Mohammed, der sich nicht nur für sich selbst, sondern für alle Jugendlichen eine Lösung dieses Problems wünscht. "Jeder sollte zur Schule gehen können!"

    Jugend Eine Welt schließt sich seinem Wunsch voll und ganz an: Österreich sollte jungen Flüchtlingen, die bisher keine Chance auf einen Schulabschluss hatten, ein Recht auf Bildung zugestehen - auch wenn sie nicht mehr "schulpflichtig" sind und auch nach Erreichen der Volljährigkeit.

    Kinderarbeit in Italien - weitere Hintergrundinformationen:


    - Im Jahr 2010 wurden in Italien mindestens 1.500 Kinder Opfer von Ausbeutung (Quelle: Eurostat)

    - Im Jahr 2015 waren in Italien geschätzte 30.000 ausländische und inländische Kinder in gefährlichen Arbeitsbereichen beschäftigt (Quelle: Save the Children)

    - Europol meldete im Jänner 2016, dass in den vergangenen 18 - 24 Monaten rund 10.000 minderjährige Flüchtlinge nach ihrer Ankunft in Europa spurlos verschwunden seien, rund 5.000 von ihnen in Italien.

    - Allein zwischen 1. Jänner und 31. März 2016 kamen - ebenfalls laut Europol - rund 3.000 unbegleitete Minderjährige in Italien an.

    Gruppen von Kindern, die in Italien besonders häufig ausgebeutet werden:

    • Kinder aus afrikanischen Ländern bzw. aus Ägypten: Sie arbeiten normalerweise auf Straßenmärkten, in Autowaschanlagen oder Restaurants. Häufig werden sie dazu gezwungen, bis zu 12 Stunden durchzuarbeiten für einen Stundenlohn von 2 - 3 € (Quelle: Save The Children Italien). Die meisten sind 15 - 17 Jahre alt, es sind aber auch 11 -12 jährige Kinder darunter.

    • Mädchen aus Nigeria: Sie sind meist zwischen 15 und 17 Jahre alt (und geben sich immer für älter aus als sie sind). Sie stammen häufig aus ärmlichen Verhältnissen, können weder lesen noch schreiben und fallen auf die Versprechen von Menschenhändlern herein, die ihnen in Europa einen tollen Job als Friseurin, Model oder Kindermädchen versprechen. Einmal in Italien angekommen, werden die Mädchen in Apartments eingesperrt und beginnen wenige Tage später auf der Straße als Prostituierte zu arbeiten, um ihre Schulden bei den Menschenhändlern abzuarbeiten. Deren Höhe liegt zwischen 20.000 und 60.000€ und ist in 3 - 7 Jahren rückzahlbar (Quelle: Save the Children Italien).

    • Roma Kinder: Roma Kinder werden häufig von ihren eigenen Familien dazu gezwungen, auf der Straße oder in Bahnhöfen zu betteln, Autoscheiben zu putzen, Papiertaschentücher oder Feuerzeuge zu verkaufen. Sie sind häufig großer Gewalt ausgesetzt - insbesondere, wenn sie es nicht schaffen, während des Arbeitstages genug Geld zusammenzubringen. Dann werden sie häufig zu kriminellen Aktivitäten wie Diebstahl gezwungen.


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