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      Interview Erste Bank mit Reinhard Heiserer, GF Jugend Eine Welt, zum Thema Kinderarbeit

          Was ist Kinderarbeit - Kinderarbeit weltweit

            Sie schuften in Minen auf der Suche nach wertvollen Rohstoffen für unsere Handys. Als Haushaltshilfen arbeiten sie hundert Stunden in der Woche. Als billige Ziegelarbeiter werden sie ausgebeutet. Sie werden wie Waren gehandelt, dazu gezwungen, ihre Körper zur verkaufen. Weltweit müssen nach wie vor geschätzte 168 Millionen Kinder arbeiten. Dafür bezahlen sie mit ihrer Kindheit, ihrer Gesundheit und ihrem Recht auf Bildung.
            Kinder bearbeiten Elektroschrott in Ghana.
Kinderarbeit in der Grabsteinindustrie. Fotocredit: Südwind
Kinderarbeit bei der Produktion von Steinen.
            Kinder bearbeiten Elektroschrott in Ghana.
Kinderarbeit in der Grabsteinindustrie. Fotocredit: Südwind
Kinderarbeit bei der Produktion von Steinen.
            Kinder bearbeiten Elektroschrott in Ghana.
Kinderarbeit in der Grabsteinindustrie. Fotocredit: Südwind
Kinderarbeit bei der Produktion von Steinen.

              Kinderarbeit ist in Europa kaum ein Thema, über das gesprochen wird. Aus einem einfachen Grund: Sie ist hierzulande seit langem praktisch verboten. Trotzdem sind auch wir Europäer indirekt sehr wohl von Kinderarbeit betroffen - in vielen Produkten wie Handys, Textilien, Schokolade und Natursteinen steckt Kinderarbeit drinnen.

              Nach den Schätzungen der ILO (der Internationalen Arbeitsorganisation, eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen) ist zwar seit dem Jahr 2000 die Zahl der weltweit arbeitenden Kinder von 246 Millionen auf 168 Millionen gesunken (diese Zahlen sowie weitere datieren aus dem Jahr 2013). Etwa 85 Millionen davon arbeiten unter besonders gefährlichen Verhältnissen.

              Die "klassische ausbeuterische" Kinderarbeit (körperliche und seelische Gefährdung) hat in den letzten Jahren abgenommen. Zum Beispiel wurden in Indien große Fortschritte erreicht, da Gesetze zum Schutz Minderjähriger konsequenter umgesetzt und kontrolliert werden.

              Laut ILO führt Asien und der pazifische Raum mit 78 Millionen arbeitenden Kindern die Statistik an, gefolgt von den afrikanischen Länder südlich der Sahara mit 59 Millionen. In Lateinamerika sind es 13 Millionen, in der Karibik sowie dem Mittleren Osten und Nordafrika über 9 Millionen.

              Im Bereich der Landwirtschaft ist die größte Zahl an arbeitenden Kindern zu finden (98 Millionen), gefolgt von Hilfskräften im Dienstleistungsbereich (54 Millionen) und im produzierenden Gewerbe sowie Industrie (12 Millionen) - meist im so genannten informellen Sektor.

                Definition(en) von Kinderarbeit

                Kinderarbeit ist nicht gleich Kinderarbeit.
                Ein Kind, das zu Hause beim Aufräumen mithilft, ein Jugendlicher, der während der Schulferien Zeitungen austrägt oder Kinder, die im familieneigenen Geschäft ab und zu aushelfen sind noch keine gefährdeten Kinderarbeiter.

                Wo Kinderarbeit genau anfängt, ab wann sie schädlich ist oder gar ausbeuterisch wird, dazu gibt es einige, auch in internationalen Konventionen und Vertragswerken festgeschriebene Definitionen und Beschreibungen. Die Grenzen sind teils fließend, nicht unumstritten und sorgen je nach Standpunkt für Diskussionen. Bei näherer Betrachtung ergibt sich dabei eine Art Stufenmodell: Von positiver Kinderarbeit über noch tolerierbar bis hinab zu Ausbeutung und Sklaverei.

                Die UN-Kinderrechtskonvention (KRK) beschreibt Kinder als junge Menschen unter 18 Jahren, die besondere Rechte haben - wie das Recht auf Spiel und das Recht auf Bildung. Die KRK definiert Kinderarbeit als Tätigkeit von unter 18-Jährigen, die ihnen schadet oder sie am Schulbesuch hindert (Artikel 32).

                Die ILO (Internationale Arbeitsorganisation) sagt, dass nicht jegliche Arbeit von Kindern als Mißstand eingestuft und beseitigt werden muss. Arbeit von Kindern und Jugendlichen, die nicht ihre Gesundheit und persönliche Entwicklung beeinträchtigt sowie den Schulbesuch stört, könne durchaus als etwas Positives betrachtet werden.

                Um die Situation arbeitender Kinder zu unterscheiden, verwendet die ILO auch im Englischen geläufige Begriffe: child work und child labour.

                Mit child work wird folgendes beschrieben: Lernen Kinder etwa durch die Mithilfe im Haushalt, in einer von der Familie geführten Landwirtschaft oder einem Betrieb gewisse Fertigkeiten, erhalten sie dadurch Selbstvertrauen und können sich weiterentwickeln und verdienen durch die (leichte) Tätigkeit ein Taschengeld, ist das durchaus gut. Wichtig ist dabei zudem, dass die Kinder ihrem Alter und ihren Fähigkeiten entsprechend beteiligt werden.

                Als child labour wird hingegen Kinderarbeit im engeren Sinn bezeichnet, die negative Auswirkungen für die Betroffenen hat. Arbeit also, die Kindern ihre Kindheit raubt, ihnen ihre Würde und ihr Potenzial nimmt sowie ihre körperliche wie seelische Gesundheit beeinträchtigt.

                Gemeint ist Arbeit, die

                • mental, physich, sozial und moralisch gefährlich und schädlich für Kinder ist.
                • ihren Schulbesuch einschränkt oder vorenthält oder sie zwingt, die Schule frühzeitig zu verlassen.
                • die Kinder dazu anhält, den Schulbesuch mit langer und harter Arbeit zu kombinieren.


                Die letzte Stufe umfasst die ausbeuterische Kinderarbeit, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit. Eine international anerkannte Definition von ausbeuterischer Kinderarbeit liegt seit 1999 mit der ILO-Konvention 182 "gegen die schlimmsten Formen der Kinderarbeit vor". Diese Konvention wurde von einem großen Teil aller Staaten dieser Welt ratifiziert.

                Expizit als schlimmste Formen der Kinderarbeit werden darin zum Beispiel genannt:

                • Sklaverei oder sklavereiähnliche Praktiken, wie Kinderverkauf und Kinderhandel, Zwangsarbeit, Zwangsrekrutierung von Kindern (Kindersoldaten)
                • Kinderprostitution und - pornographie
                • kriminelle Tätigkeiten wie Drogenhandel und -schmuggel
                • Arbeit, die ihrer Natur nach oder aufgrund der Umstände für die Gesundheit, die Sicherheit oder die Sittlichkeit von Kindern schädlich ist.

                Darunter versteht die ILO:

                • Arbeit von Kindern unter 13 Jahren
                • Arbeit von Kindern zwischen zwölf und 14 Jahren, die länger als 14 Stunden in der Woche dauert.
                • Arbeit von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, die gefährlich ist. Zum Beispiel: Arbeit unter Tage, mit gefährlichen Maschinen oder Werkzeugen, Umgang mit schweren Lasten, Arbeit in ungesunder Umgebung und mit gefährlichen Substanzen.

                  Die Gründe

                  Häufig ist Armut eine der Ursache für Kinderarbeit. Die Eltern können ihre Familie mit ihrem Einkommen nicht ernähren und Kinder müssen daher zum Familieneinkommen beitragen. Zusätzlich ist Kinderarbeit für viele Arbeitgeber ein gutes Geschäft, da es keine Arbeitsverträge gibt und die Kinder keinen offiziellen Status haben. Weitere Ursachen für Kinderarbeit sind Kriege und die Verbreitung von AIDS. Zahlreiche Kinder haben durch AIDS ihre Eltern verloren. Verwandte und Nachbarn können oft nicht für diese Kinder sorgen, da es viele Waisen gibt. So müssen diese Kinder oft mit ihrer Arbeit ihre Geschwister unterstützen und mit ihrem Einkommen das Überleben sichern.

                  Die Folgen

                  Neben der gesundheitlichen Gefährdung durch Kinderarbeit in Minen, der Feuerwerksindustrie, Plantagen oder in Haushalten reicherer Familien, haben dieses Kinder kaum eine Chance eine Schule zu besuchen und damit der Armut zu entkommen. Ohne Ausbildung haben junge Menschen jedoch kaum eine Chance einen guten Beruf zu finden und damit einmal selbst ihre Familie mit ihrem Einkommen zu ernähren.

                  Projektbeispiele

                    Hilfe für die "Minenkinder"

                      Coltan und Kobalt - die Demokratische Republik Kongo ist der weltweit wichtigste Lieferant der für die Herstellung von Mobiltelefonen benötigten Rohstoffe. In den Minen müssen jedoch oft Kinder arbeiten. Mit seinen Projektpartnern vor Ort hilft Jugend Eine Welt diesen Kindern. Weitere Informationen

                      Kinderarbeit in der Ziegelindustrie

                        Im nordindischen Distrikt Haryana gibt es rund 500 Ziegelfabriken, in denen Kinder und Jugendliche ausgebeutet werden. In den Don Bosco Projekten erhalten diese Kinder Hilfe. Weitere Informationen

                        befreites Mädchen

                        Kinderarbeit in Haushalten

                          Zahlreiche Mädchen müssen als Haushaltshilfen zum Familieneinkommen beitragen. Häufig werden sie dabei ausgebeutet und missbraucht. Weitere Informationen






                          ORF-TV-Doku über die Ziegelkinder Indiens (2017)

                            Ein ORF-Team besuchte auf Einladung von Jugend Eine Welt ein unterstütztes Don Bosco Zentrum in Indien

                              Die Situation der Kinder in der Ziegelindustrie in Indien (2011)


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