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SIERRA LEONE – Allgemeine Hintergrundinformationen

    Ausgewählte Zahlen:

    Fläche: 71.740 km² (vgl. Österreich: 83.855 km²)
    Bevölkerung: 6,2 Mio (2014)
    Konstitutionelle Republik mit direkt gewähltem Präsidenten (derzeit Ernest Bai Koroma) Durchschnittliche Lebenserwartung: 46 Jahre

    Die Republik Sierra Leone in Westafrika Sierra Leone liegt in Westafrika und grenzt im Norden und Westen an Guinea, im Osten an Liberia und im Süden am Atlantik. Auf der Liste des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen liegt die ehemalige britische Kolonie seit Jahren auf einem der hintersten Plätzen, obwohl sie reich ist an Bodenschätzen wie Eisenerz, Diamanten, Rutil und Bauxit. 2014 rangierte Sierra Leone im "Human Development Index" des UNDP an 181. von insgesamt 188 Stellen. Damit zählt Sierra Leone zu den acht am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Ein Großteil der Bevölkerung (mindestens 70%) lebt in extremer Armut und hat weniger als 2 USD pro Tag zur Verfügung. Nach einem blutigen Bürgerkrieg (1991 - 2002) war das Land in den letzten Jahren mit dem Wiederaufbau und der Aufarbeitung der jüngeren Geschichte beschäftigt. Durch den Ausbruch der Ebola-Epidemie 2014/2015 wurde diese Entwicklung um Jahre zurückgeworfen.

    Die Bevölkerung

    Die Bevölkerung von Sierra Leone beläuft sich auf ca. 6,2 Millionen Menschen und setzt sich aus vielen verschiedenen ethnischen Gruppen zusammen. In punkto Religionsausübung gilt Sierra Leone als sehr tolerant: 60% der Einwohner sind sunnitische Moslems, 30% glauben an traditionelle Stammesreligionen und 10% sind Christen. 42 % der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 46 Jahren.

    Bedrohte Kindheit

    Mehr als die Hälfte (51.3 %) aller Kinder im Alter zwischen fünf und 14 Jahren müssen arbeiten - 897.142 Kinder. Sie sind buchstäblich in allen Wirtschaftssektoren beschäftigt - in der Landwirtschaft (u.a. beim Anbau von Kaffee, Kakao, Palmöl), der Fischerei, dem Kleinhandel, am Bau und in Fabriken. Sie sammeln Müll, arbeiten als Hausangestellte und Lastenträger. Tausende Kinder sind zudem in Bereichen tätig, die als "schlimmste Formen der Kinderarbeit" gelten: Sie betteln, werden zur Prostitution bzw. zum Stehlen gezwungen, arbeiten als HaussklavInnen oder leisten Zwangsarbeit in Minen und Steinbrüchen.

    Ebola 2014/2015
    Die Ebola-Epidemie, die insgesamt 11.315 Menschenleben forderte, brach im Dezember 2013 in Guinea aus und erreichte Sierra Leone im Frühjahr 2014. Mit 3.955 Todesfällen und 14.122 Erkrankungen war Sierra Leone neben Liberia und Guinea das von der hoch ansteckenden Krankheit am schlimmsten betroffene Land in Westafrika. Am 7. November 2015 wurde Sierra Leone offiziell für Ebola-frei erklärt.

    Der durch die Epidemie ausgelöste wirtschaftliche Schaden ist immens und ließ das - danke Eisenerzabbau - seit 2012 beträchtliche Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 10 - 20% auf 4,6% im Jahr 2014 sinken. Das Bruttonationalprodukt betrug 2014 nur 4,89 Mrd. US $. Zum Vergleich: In Österreich lag es im gleichen Jahr bei 86,32 Mrd Euro.

    Insbesondere die Landwirtschaft, der wichtigste Wirtschaftssektor in Sierra Leone, wurde durch die Epidemie schwer getroffen, da tausende Bauern an Ebola starben , aus Angst vor einer Ansteckung ihre Felder nicht bestellten und landwirtschaftliche Produkte nicht zu den Märkten transportiert werden konnten. Doch auch in anderen Branchen wie dem Gesundheits- und Bildungssektor fehlten viele Menschen aus Angst vor einer Ansteckung am Arbeitsplatz, es kam zu einem Zusammenbruch des Tourismussektors und auch der Handel musste schwere Einbußen hinnehmen. Die Arbeitslosigkeit stieg insbesondere unter Jugendlichen massiv an. Weitreichende Folgen für die Zukunft hatten zudem die monatelangen Schulschließungen. Der Unterricht konnte durch über Fernsehen und Radio ausgestrahlte Bildungsprogramme nur bedingt ersetzt werden, denn die meisten armen Familien können sich weder Fernsehgeräte noch Batterien für Radios leisten.

    Ein großes Problem für die Gesellschaft sind zudem tausende Ebola-Waisenkinder: Laut Angaben von UNICEF haben 8.624 Kinder ein oder beide Elternteile durch die Epidemie verloren. (Stand 23.12.2015) Doch nicht nur sie, auch Kinder, die selbst infiziert waren und überlebten, werden oftmals ausgegrenzt und von ihren Verwandten verstoßen, weil sie Ebola für einen "Hexenfluch" halten bzw. es sich nicht leisten können, ein weiteres Kind zu ernähren.

    Freetown

    Freetown ist die Hauptstadt der Republik Sierra Leones und hat etwa 951.000 Einwohner (2014). Freetown liegt auf der "Freetown Peninsula", einer in den Atlantik reichenden Halbinsel. Ihr großer Seehafen bildet den Mittelpunkt der wirtschaftlichen Aktivitäten der Stadt. Darüber hinaus gibt es in der Stadt Reismühlen, Erdölraffinerien, Diamantenverarbeitung und Zigarettenherstellung sowie Fischerei-, Verpackungs- und Getränkeabfüllungsindustrie.

    Mit Niederschlägen bis zu 5.000 mm pro Jahr gilt Freetown als feuchteste Hauptstadt der Erde. Die Luftfeuchtigkeit fällt selten unter 85%. Die Temperaturen liegen ganzjährig bei 26 bis 28 Grad Celsius. Freetown ist umgeben von Hügeln mit tropischem Regenwald. Seine feinen Sandstrände zählen zu den schönsten in Afrika. Doch innerhalb der Stadt ist das Elend nicht zu übersehen: In Kroo Bay, dem größten Slum, leben bis zu 15.000 Menschen in notdürftigen, überfüllten Quartieren. Jeden Sommer wird der Slum von verschmutztem Wasser überschwemmt und von Ratten, Malaria und Cholera heimgesucht. Die Lebenserwartung in den Elendsvierteln liegt noch weit unterhalb dem ohnehin niedrigen landesweiten Durchschnitt.

    Aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse - nur die wichtigsten Straßen in Freetown sind asphaltiert -, des hohen Verkehrsaufkommens und des Nichtvorhandenseins von Straßenschildern und Ampeln versinkt die Stadt täglich in einem Verkehrschaos.

    Kinder in Freetown
    Das Stadtbild in Freetown ist geprägt durch Kinder, die auf der Straße schlafen und in Fäkalien und Schmutzwasser ihr Essen und Trinken suchen. Viele Kinder gehen kleinen Gelegenheitsjobs nach, sie schleppen schwere Lasten oder verkaufen Süßigkeiten bis hin zur Prostitution, die hier sichtbar verbreitet ist. Jungen schließen sich in Banden zusammen. Kleinere werden von den Anführern auf die Straße zum Stehlen geschickt. Den Kindern machen Unterernährung, Übermüdung, Hautkrankheiten, Parasiten und Malaria schwer zu schaffen. Manche Kinder sind zudem durch die Immunschwächekrankheit AIDS gezeichnet.

    Viele Kinder leben auf der Straße, weil ihre Familien nicht in der Lage sind, sie ausreichend zu versorgen. Manche fliehen vor häuslicher Gewalt oder missbräuchlichen Arbeitsverhältnissen. Hinzu kommt, dass durch die Urbanisierung die Solidaritätsstrukturen der traditionellen Großfamilie immer seltener greifen. Während früher Familienprobleme wie z.B. Scheidung oder Tod eines Elternteils durch die Großfamilie aufgefangen wurden, werden heute viele Kinder nicht mehr vom Großfamilienverband mitgetragen. Diese Situation wurde durch die Ebola-Epidemie noch verschärft. Schätzungen zufolge leben allein in Freetown mindestens 3.000 Kinder auf der Straße.

    Im ganzen Land wird die Anzahl von jungen Menschen unter 18 Jahren, deren Lebensmittelpunkt die Straße ist, auf 50.000 geschätzt. Viele Jugendliche drängen vom Land auf die Straßen Freetowns auf der Suche nach Beschäftigung und Schutz. Der eigentlich rückläufige Kinderhandel hat in letzter Zeit wieder stark zugenommen. Kriminelle Schlepperbanden haben den Ebola-Ausnahmezustand bzw. die fast vollkommene Straflosigkeit für ihre Machenschaften genutzt.

    Sierra Leone und die Salesianer Don Boscos

    Die Salesianer Don Boscos sind in Sierra Leone seit 1996 im Einsatz für Kinder und Jugendliche, die ohne fremde Hilfe keine Chance auf eine Schul- und Berufsausbildung hätten. Sie führen Jugendzentren, Gesundheitsstationen, Pastoral- und Sozialeinrichtungen sowie Berufsbildungszentren und weiterführende Schulen. Bei Don Bosco finden Straßenkinder eine Zuflucht, haben ehemalige Kindersoldaten eine Chance ihre Kindheit nachzuholen, können Jugendliche, die aus armen Verhältnissen stammen, eine Schule besuchen und sich in verschiedenen Handwerksberufen wie Tischler oder Maurer, aber auch in Büro- und PC-Tätigkeiten ausbilden lassen.


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