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Buenos Aires: Weltkonferenz gegen Kinderarbeit ohne Kinder

    Kinder beschweren sich bei UNO mit "Offenem Brief" / Jugend Eine Welt: "Arbeitende Kinder verstärkt zu Wort kommen lassen!"

      Von 14. - 16. November 2017 findet in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires die 4. Weltkonferenz gegen Kinderarbeit statt. Nicht dabei: die Betroffenen. Denn wie schon bei den drei Vorgängerkonferenzen in Oslo (1997), Den Haag (2010) und Brasilia (2013) wurden arbeitende Kinder und Jugendliche mit ihren Organisationen auch diesmal nicht als aktive Teilnehmer zugelassen, wie die österreichische Hilfsorganisation Jugend Eine Welt kritisiert.

      Offener Brief von Kinderorganisationen
      In einem "Offenen Brief" richteten Kinderorganisationen aus Lateinamerika und der Karibik am 14. November einen scharfen Protest an das UN-Kinderrechtskomitee, dem derzeit die Österreicherin Dr. Renate Winter vorsteht: Dass alle unter 18-Jährigen von der Weltkonferenz "aus Sicherheitsgründen" ausgeschlossen wurden, sei ein eklatanter Widerspruch zu Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention, der Kindern freie Meinungsäußerung zusichert. "Wir fragen uns: Wollen sie uns beschützen oder wollen sie sich vor uns schützen? Könnte es sein, dass sie nicht hören wollen, was wir zu sagen haben?"

      Insbesondere kritisieren die Kinder, dass die Internationale Arbeitsorganisation ILO als Hauptorganisatorin der Konferenz auf einem Mindestalter von 14 bzw. 15 Jahren für jegliche Form von Kinderarbeit besteht. "Wir glauben, dass es unabhängig von unserem Alter nötig ist, eine präzise Unterscheidung zu treffen zwischen wirtschaftlicher Ausbeutung und Formen der Arbeit, die Güter und Dienstleistungen schafft, die für uns, unsere Familien und unsere Gesellschaft wertvoll sind."

      So würden Kinder in indigenen Gemeinschaften in Bolivien, Ecuador, Mexiko, Peru oder Paraguay schon in sehr jungem Alter mitarbeiten, dabei das Wissen der Älteren übernehmen und lernen, auf eigenen Füßen zu stehen. Ein generelles Verbot jeglicher Form der Kinderarbeit dränge Kinder in die Illegalität und führe zu repressiven und diskriminierenden Reaktionen von staatlichen Behörden, die niemandem nütze.

        Jugend Eine Welt: Fokus muss auf missbräuchlicher Kinderarbeit liegen
        152 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 5 und 17 Jahren sind weltweit von Kinderarbeit betroffen - 73 Millionen von ihnen schuften unter ausbeuterischen bzw. gesundheitsschädlichen Bedingungen, beispielsweise in Bergwerken, auf Plantagen, als Hausangestellte, Kindersoldaten oder in der Prostitution.

        Ihnen sollte laut Jugend Eine Welt-Geschäftsführer Reinhard Heiserer die Hauptaufmerksamkeit der Internationalen Gemeinschaft bzw. der einzelnen Staaten gelten und zu ihrem Schutz sei eine Vervielfachung aller Anstrengungen dringendst nötig. "Die vollkommene Abschaffung jeder Form von Kinderarbeit bis zum Jahr 2025, wie das Ziel 8.7. der Nachhaltigen Entwicklungsziele vorsieht, geht unserer Meinung nach an der Realität vieler Familien und Kinder vorbei."

        Kinderarbeiter selbst zu Wort kommen lassen!
        In jedem Fall sollte man arbeitende Kinder und Jugendliche viel stärker zu Wort kommen lassen, ihre Erfahrungen und Forderungen ernstnehmen und sie bei Strategien und Maßnahmen gegen Kinderarbeit berücksichtigen - auch im Rahmen internationaler Konferenzen. "In zahlreichen von uns geförderten Don Bosco Projekten wurden beispielsweise Kinderparlamente eingerichtet, sie haben sich nicht nur auf Projekt-, sondern auch auf Kommunalebene sehr bewährt", so Reinhard Heiserer.

        Um das komplexe Problem der Kinderarbeit langfristig zu lösen, müssten insbesondere seine Ursachen bekämpft werden, darunter Armut, fehlender Zugang zu Bildung und Ausbildung sowie mangelhafte soziale Sicherungssysteme. Wirtschaftsunternehmen sollten sicherstellen, dass in ihren Lieferketten keine Menschen- bzw. Kinderrechtsverletzungen vorkommen. Und jeder Einzelne sei aufgerufen, beim Einkauf Produkten den Vorzug zu geben, die nachweislich fair bzw. ohne missbräuchliche Kinderarbeit hergestellt wurden.


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