Spendenbutton

Weltflüchtlingstag: Afghanische Flüchtlinge nicht ins Nichts zurückschicken!

    Jugend Eine Welt und Afghanischer Kulturverein AKIS fordern Ausbildungsprogramme vor Ort

      Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni fordern die Hilfsorganisation Jugend Eine Welt und der Afghanische Kulturverein AKIS die österreichische Bundesregierung auf, Abschiebungen nach Afghanistan angesichts der bedrohlichen Sicherheitslage zumindest temporär auszusetzen und afghanische Flüchtlinge keinesfalls ins Nichts zurückzuschicken. Insbesondere junge Menschen sollten nach ihrer Rückkehr mindestens ein halbes Jahr aktiv begleitet und durch einen Platz zum Schlafen, Kurzausbildungen bzw. kleine "Start up"-Pakete unterstützt werden. Die momentane Betreuung durch die Internationale Organisation für Migration (IOM) reiche bei weitem nicht aus.

      Potenzial der RückkehrerInnen besser nutzen
      "Die Erfahrungen von rückkehrenden Flüchtlingen könnten vor Ort viel besser genutzt werden", ist Mir Ghousuddin, Obmann des Afghanischen Kulturvereins AKIS und langjähriger Projektpartner von Jugend Eine Welt überzeugt. Er empfiehlt, in mehreren afghanischen Großstädten wie Kabul, Masar-e-Scharif, Dschalalabad oder Herat Informations- und Bildungszentren einzurichten, "mithilfe der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und unter österreichischer Kontrolle, denn nur so kann die weit verbreitete Korruption umgangen werden".

      Rückgekehrte Flüchtlinge könnten hier in Kurz-Lehrgängen beispielsweise zum Maler, Schneider, Tischler oder Mechaniker ausgebildet werden bzw. landwirtschaftliche Kenntnisse erwerben, die es ihnen ermöglichen, auf eigenen Beinen zu stehen. "Mit entsprechender Schulung könnten rückgekehrte Flüchtlinge auch gut im Bereich der Beratung eingesetzt werden und mithelfen, Illusionen über Europa zu zerstreuen. Plakatkampagnen wie sie in der Vergangenheit versucht wurden, sind völlig sinnlos in einem Land, in dem die Analphabetenrate bei 70 Prozent liegt", so Mir Ghousuddin.

      Für durchaus zweckmäßig hält der Leiter des Afghanischen Kulturvereins hingegen die Ausstrahlung von informativen Fernsehbeiträgen, die in Österreich in den Sprachen der größten Flüchtlingsgruppen kostengünstig produziert und in Afghanistan ausgestrahlt werden könnten. "Information und Bildung sind essenziell - hier wie dort. Auch in Österreich reicht das muttersprachliche Informationsangebot bei weitem nicht aus!", mahnt der erfahrene Flüchtlingsexperte. Das vor kurzem neu eröffnete muttersprachliche "Beratungs- und Integrationszentrum" des Afghanischen Kulturvereins werde sehr gut angenommen und fülle eine große Lücke.

      Benachteiligte Jugendliche vor Ort unterstützen
      Seit vielen Jahren unterstützt Jugend Eine Welt in enger Zusammenarbeit mit Mir Ghousuddin Schulprojekte in Afghanistan, wobei vor allem die oft mangelhafte Ausbildung von Frauen und Mädchen im Vordergrund steht.

      Eine weitere große Sorge der Projektpartner gilt dem Schicksal tausender Kinder und Jugendlicher, die in afghanischen Großstädten bzw. den sie umgebenden Barackensiedlungen auf der Straße leben. Mir Ghousuddin: "Sie putzen Schuhe oder Autoscheiben, haben keinerlei Perspektive, sind in großer Gefahr, von kriminellen Gruppen angeworben zu werden und wirken destabilisierend für die gesamte Gesellschaft." Auch für diese Zielgruppe, die häufig in Flucht und Migration den einzigen Ausweg aus lebenslangem Elend sieht, wären Bildungs- und Ausbildungsprogramme - wie sie punktuell bereits von anderen europäischen Staaten wie Deutschland oder Frankreich angeboten würden - essenziell.

      Reinhard Heiserer von Jugend Eine Welt gibt zu bedenken: "Qualitative Hilfsprojekte, die jungen Menschen, die sich in Risikosituationen befinden und buchstäblich nichts zu verlieren haben, eine Zukunftsperspektive in ihrer Heimat geben, sind aus vielerlei Gesichtspunkten eine gute Investition: Sie ebnen nicht nur dem Einzelnen den Weg in ein besseres Leben, sie wirken sich auf die wirtschaftliche Lage und den Arbeitsmarkt positiv aus und tragen dazu bei, fortschrittliches Denken und Menschenrechte in der Gesellschaft stärker zu verankern. Somit leisten sie einen wichtigen Beitrag, um radikalem bzw. fundamentalistischem Gedankengut entgegenzutreten."

      Das von Jugend Eine Welt mitgetragenen Don Bosco Flüchtlingswerk kritisiert aktuell Abschiebungen nach Afghanistan und die geplante Verwehrung von Nachqualifizierungslehrgängen für junge Flüchtlinge: zur Aussendung


      drucken  DRUCKEN     versenden  SEITE ALS MAIL VERSENDEN     spenden  JETZT SPENDEN