Spendenbutton

G20 Gipfel: verpasste Chance für Afrika

    Jugend Eine Welt begrüßt humanitäre Hilfszusagen - wichtige Friedensinitiativen und umfassende Hilfsprogramme für die ärmsten Länder blieben jedoch aus

      8. Juli 2017 - "Die von US-Präsident Trump heute im Rahmen des G20 Gipfels zugesagten 572 Millionen Euro (639 Mio Dollar) Nothilfe für Afrika begrüßen wir sehr und fragen uns, warum ähnliche Zusagen nicht von anderer Seite kamen. Wir hoffen, dass konkrete Hilfe unverzüglich in Gang gebracht wird, beispielsweise durch die Einrichtung von Luftbrücken für Nahrungsmitteltransporte in die Krisenregionen in Ostafrika. Ansonsten ist das Ergebnis des G20 Gipfels hinsichtlich des groß angekündigten Afrika-Schwerpunktes für uns jedoch enttäuschend. Insbesondere fehlen ambitionierte Friedensinitiativen und Hilfsprogramme für die ärmsten afrikanischen Länder. Das ist nach dem diesbezüglichen Scheitern des G7 Gipfels im Mai eine weitere verpasste Chance für Afrika," kritisiert Reinhard Heiserer von Jugend Eine Welt.

      Offenbar fand der vom deutschen Entwicklungsminister Gerd Müller propagierte "Marshall-Plan" für bzw. mit Afrika bei den Staats- und Regierungschefs wenig Interesse. Ein solcher Plan wird auch vom österreichischen Präsidenten der Wirtschaftskammer Christoph Leitl seit langem befürwortet. Vielmehr soll der neue "Compact with Africa" (CWA) der G20 private Investitionen in einzelnen wirtschaftlich schon relativ gut entwickelten afrikanischen Ländern fördern.

      Reinhard Heiserer: "Das ist besser als nichts und auch den Beschluss eines Fonds zur Unterstützung von Unternehmerinnen in armen Ländern sehen wir positiv. Aber wenn die G20 wirklich ein ernsthaftes Interesse daran hätten, die Armut und Perspektivlosigkeit in so vielen afrikanischen Ländern zu beenden, die insbesondere junge Menschen in die Flucht treibt: Wo bleiben Maßnahmen gegen illegale Geldflüsse, Landgrabbing und die Spekulation mit Lebensmitteln? Wo bleiben Entschuldungsmaßnahmen für arme Staaten, damit sie ihr Geld in Bildung und Infrastruktur statt in Schulden- und Zinstilgung stecken können? Warum werden Waffenlieferungen in Konfliktregionen nicht sofort gestoppt? Und warum stimmen die G20 ihre Handels- und Agrarpolitik nicht endlich mit entwicklungspolitischen Zielen ab?"

      Perspektiven vor Ort schaffen
      Die Hilfsorganisation, die weltweit Bildungs- und Ausbildungsprojekte für benachteiligte Kinder und Jugendliche fördert, weist auch auf das riesige Problem der Jugendarbeitslosigkeit in Afrika hin, dem Kontinent mit dem weltweit größten Bevölkerungswachstum: "Schon 2050 werden in Afrika 2,2 Milliarden Menschen leben, Ende des Jahrhunderts an die vier Milliarden. Sie alle brauchen Perspektiven vor Ort, die gezielt gefördert werden sollten, beispielsweise durch Bildung und berufliche Qualifikation sowie die Stärkung lokaler Märkte. Vor allem müssen ungerechte und ausbeuterische Handelsbeziehungen, von denen nur Eliten profitieren, ein für alle Mal beendet werden! Andernfalls dürfen wir uns nicht wundern, wenn sich immer mehr verzweifelte junge Menschen auf den Weg nach Europa machen", so Reinhard Heiserer.

      Proteste ernstnehmen
      Die Botschaft tausender Menschen, die in den vergangenen Tagen in Hamburg friedlich gegen den G 20 Gipfel protestieren, sollte laut Heiserer ernst genommen werden, auch wenn sie von Berichten über gewalttätige Eskalationen überschattet wurde: "Wieder versagen staatliche und interstaatliche Strukturen, Netzwerke und Partnerschaften, die die riesigen globalen Herausforderungen meistern sollten. Zivilgesellschaft, NGOs und engagierte Menschen tun, was in ihrer Macht steht, um die Aufmerksamkeit für die drängendsten Probleme dieser Welt zu erhöhen. Sie können Katastrophen und Herausforderungen dieses Ausmaßes nicht abwenden, aber sie setzen zumindest Zeichen und Handlungen der Mitmenschlichkeit und der Solidarität gegen die Wurschtigkeit und das Wegsehen."


      drucken  DRUCKEN     versenden  SEITE ALS MAIL VERSENDEN     spenden  JETZT SPENDEN