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Grabsteine ohne Kinderarbeit: Jugend Eine Welt fordert europaweite Zertifizierung von importierten Natursteinen

    Tausende Menschen besuchen zu Allerheiligen oder Allerseelen einen Friedhof. Doch nur wenigen ist bewusst, dass in vielen Grabstätten missbräuchliche Kinderarbeit steckt. Wie in Deutschland dürfte auch in Österreich rund ein Drittel aller Grabsteine aus indischen Steinbrüchen stammen, wo schwere Menschenrechtsverletzungen wie Schuldknechtschaft und Kinderarbeit noch immer an der Tagesordnung sind.

    Doch während in vielen deutschen Kommunen der Einsatz von verdächtigen bzw. nicht zertifizierten Grabsteinen verboten wurde - 2016 erließ beispielsweise Bayern ein entsprechendes Gesetz - fehlen ähnliche Regelungen in Österreich bisher völlig. Die Hilfsorganisation Jugend Eine Welt appelliert daher an die Konsumenten, beim Kauf von Grab- bzw. Natursteinen genau nachzufragen, ob diese nachweislich unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt wurden und im Zweifelsfall Steinen aus Europa bzw. Österreich den Vorzug zu geben. Vor allem aber müssten Politik und Wirtschaft ihre Verantwortung verstärkt wahrnehmen und Zertifizierungssysteme für importierte Natursteine europaweit zur Regel machen.

    "Im Mai 2016 fand im italienischen Carrara die erste internationale Konferenz zum Thema nachhaltige Steinindustrie statt. Der Ruf nach einer verlässlichen Zertifizierung asiatischer Natursteine war unüberhörbar, nicht nur in Hinblick auf fehlende soziale Standards", so Jugend Eine Welt Vorsitzender Reinhard Heiserer. Vage Selbstverpflichtungen der Steinindustrie seien nicht ausreichend - es bräuchte einheitliche klare Regeln auf europäischer Ebene und mehr Transparenz für Handel und Endverbraucher.

    Inakzeptabel: Kinderarbeit und Schuldknechtschaft
    Dass es in der Steinindustrie immer noch zahlreiche "schwarze Schafe" gibt, ist unbestritten. Das Kinderhilfswerk UNICEF wies wiederholt darauf hin, dass Kinderarbeit in indischen Steinbrüchen in alarmierendem Ausmaß vorkommt. Das können auch Jugend Eine Welt und seine Don Bosco Projektpartner vor Ort bestätigen.

    So sind derzeit in einem abgelegenen Steinbruch im Distrikt Krishna im Bundesstaat Andhra Pradesh 64 Kinder, davon 37 Jungen und 19 Mädchen, beschäftigt. Sie alle stammen aus armen Migrantenfamilien. "Die Kinder gehen nicht zur Schule. Sie wachsen unter lebensgefährlichen und aus unserer Sicht völlig inakzeptablen Bedingungen auf. Vor allem sind sie ungeheuren Mengen von Steinstaub ausgesetzt, der zur tödlichen Quarzstaublunge führen kann", berichtet Reinhard Heiserer. Äußerst gesundheitsschädlich sei auch das verschmutzte, gelbe Trinkwasser aus einem Bohrloch, das Fieber und Infektionen auslöse.

    Um halbwegs trinkbares Wasser zu bekommen, müssten die Familien vier Kilometer weit gehen. Auch in anderen indischen Bundesstaaten ist Kinderarbeit in Steinbrüchen weit verbreitet - abgesehen von den insgesamt desaströsen Arbeitsbedingungen. Häufig werden die Steine mit Schlagbohrern und ohne jegliche Form von Schutzausrüstung herausgebrochen, zahlreiche Arbeiter verfügen über keinen Arbeitsvertrag, viele sind von Schuldknechtschaft betroffen: Sie dürfen den Steinbruch erst verlassen, wenn sie ihre Schulden beim Arbeitgeber abgearbeitet haben.

    Don Bosco Hilfsprojekte verhindern Kinderarbeit
    Jugend Eine Welt unterstützt in Indien zahlreiche Don Bosco Hilfsprojekte, die Kinderarbeit bekämpfen bzw. Kinderarbeitern durch Schul- und Berufsbildung eine Zukunftschance geben. In "Kinderparlamenten" lernen die Kinder ihre eigenen Rechte kennen - z.B. dass gefährliche Formen von Kinderarbeit gesetzlich verboten sind.

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