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Sextourismus: Ausbeutung von Kindern nimmt weltweit zu

    Aktuelle ECPAT-Studie zeigt neue Tätergruppen auf

    Mehr Kinder als jemals zuvor sind von sexueller Ausbeutung betroffen. Dieses Phänomen tritt in allen Teilen der Welt auf. Das zeigt die heute veröffentlichte Global Study zur sexuellen Ausbeutung von Kindern auf Reisen und im Tourismus, die von ECPAT International (Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Rechte der Kinder vor sexueller Ausbeutung) initiiert und über zwei Jahre lang durchgeführt wurde. Jugend Eine Welt ist Mitträger von ECPAT Österreich.

    "Diese Ergebnisse sind besonders erschreckend und sie sollten noch mehr Akteure aus allen Bereichen dazu motivieren, sich gemeinsam für das Ende der sexuellen Ausbeutung und zum Schutz von Kindern auf Reisen und imTourismus konsequent einzusetzen", sagt Ute Mayrhofer, Vorsitzende von ECPAT Österreich. Das Ausmaß der sexuellen Ausbeutung von Kindern auf Reisen und im Tourismus hat stark zugenommen und die Erscheinungsformen haben sich drastisch geändert. Das Internet und mobileTechnologien haben die Zunahme der sexuellen Ausbeutung von Kindern auf Reisen und im Tourismus zusätzlich verstärkt, da neue Formen von Ausbeutung entstehen und Täter vollkommen anonym bleiben können.

    Gelegenheitstäter

    Weiße, westliche, wohlhabende Männer mittleren Alters sind nicht mehrdie alleinigen typischen Täter. Es sind auch Geschäftsreisende, Auswanderer oder Freiwillige. Einheimische Reisende stellen den größten Anteil dar und viele sind sogenannte "Gelegenheitstäter". Dabei handelt es sich um Personen, die Kinder sexuell ausbeuten, weil sich ihnen die Gelegenheit dazu bietet und weil sie das Gefühl haben, dass ihr Handeln keine strafrechtlichen Konsequenzen haben wird.

    Eine Fallstudie von ECPAT Österreich hat gezeigt, dass man in Ermittlungsverfahren bei Auslandsstraftaten gegen Kinder mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert ist. Z.B. im Hinblick auf die Beweissicherung sowie die internationale Behördenkooperation. "Die größte Herausforderung ist jedoch, dass noch immer viel zu selten Informationen von Reisenden bzw. ZeugInnen an Behörden oder Meldestellen weitergegeben werden", betont Astrid Winkler, Geschäftsführerin von ECPAT Österreich.

    Reisen bis in den letzten Winkel der Welt


    Internationale touristische Reisen sind in den letzten 20 Jahren von 527 Millionen auf 1.135 Billionen gestiegen. Eine Entwicklung, von der viele Personen finanziell profitieren. Es gibt kaum noch einen Ort auf der Welt, der nicht bereist werden kann. Diese Zunahme internationaler Reisen geht jedoch einher mit größeren Risiken und Gefahren für Kinder. Die Studie zeigt auf, dass geflüchtete Minderjährige, Kinder, die Minderheiten angehören oder auf der Straße leben, besonders gefährdet sind.

    Dorine Van der Keur, Leiterin der Global Study, verweist auf weitere wichtige Ergebnisse. So sei die Unterstützung und Beratung betroffener Kinder nach wie vor nicht ausreichend. "Die Strafverfolgung von Tätern wird durch einen Mangel an Koordination und Informationsaustausch zwischen Behörden behindert", sagt Van der Keur. Deshalb sei die Anzahl strafrechtlicher Verurteilungen in Bezug auf die sexuelle Ausbeutung von Kindern alarmierend gering. Was bedeutet, dass der Großteil der Täter nicht strafrechtlich belangt wird.

    Empfehlungen

    Die Rahmenbedingungen, in welchen Kinder auf Reisen und im Tourismus sexuell ausgebeutet werden, haben sich in den letzten zwanzig Jahren stark verändert. Das Verständnis für diese Veränderungen war jedoch unzureichend, weshalb Maßnahmen lange nicht auf die neuen Gegebenheiten abgestimmt waren. Die Studie hat umfassende Informationen und Daten zu sexueller Ausbeutung von Kindern auf Reisen und im Tourismus gebracht.

    Empfehlungen, die sich aus dieser großen Menge an Informationen ableiten lassen, beinhalten u.a.:
    - Weltweit anwendbare Meldeverfahren, sodass Kinder überall in der Lage sind, Vorkommnisse ohne Angst vor Verfolgung zu berichten.
    - Zusammenarbeit mit Internetdienstanbietern, um die zunehmende sexuelle Ausbeutung vonKindern über das Internet zu bekämpfen.
    - Internationales System zum Informationsaustausch zwischen Strafverfolgungsbehörden.
    - Ausweitung von Opferschutzmaßnahmen und Unterstützungsangeboten für betroffene Kinder.

    Dr. Najat Maalla M'jid, frühere UNO Sonderberichterstatterin zum Verkauf von Kindern, Kinderprostitution und Kinderpornographie, mahnt "umfassende Maßnahmen an, um alle Kinder, egal, an welchem Ort sie sich befinden, vor diesem schrecklichen Verbrechen zu schützen. Dafür tragen wir alle Verantwortung."

    Die gesamte Studie findet sich auf dieser Website: www.globalstudysectt.org

    Informationen zum Thema auch auf www.ecpat.at


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