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Flüchtlingsbeauftragte Stoisits ortet große Lücke bei der Betreuung von über 15-jährigen Flüchtlingen

    Jugend Eine Welt: „Clearing“ für alle Kinderflüchtlinge - Staat muss mehr Verantwortung übernehmen



    Große Sorgen macht sich Terezija Stoisits, Flüchtlingsbeauftragte des Bildungsministeriums für den Schulbereich, um die immer größer werdende Gruppe von über 15-jährigen Flüchtlingen, für die es derzeit im regulären österreichischen Schulsystem keinen Platz gibt. Bis Jahresende schätzt sie die Anzahl der 2015 neu hinzugekommenen Flüchtlinge im Alter von 15 - 18 Jahren auf 10.000, von denen nur rund ein Fünftel im regulären Bildungssystem bzw. berufsbildenden Lehrgängen untergebracht werden könne. Wie es mit den übrigen 8.000 weitergeht, ist unklar. "Das ist eine riesige Zahl für das österreichische Bildungssystem und eine wirkliche "Challenge". Wir brauchen viel mehr Bewusstsein in unserer Gesellschaft, dass Investitionen in Flüchtlinge und ihre Integration Investitionen in die eigene Gesellschaft sind", so Stoisits bei einer Veranstaltung der Plattform Globale Bildungsgerechtigkeit am 10. Dezember in Wien.

    Die Hilfsorganisation Jugend Eine Welt - Mitträgerin des Don Bosco Flüchtlingswerkes - forderte in diesem Zusammenhang ein "Clearing" für alle asylsuchenden minderjährigen Flüchtlingen. Dabei sollte der Förderungs- bzw. Bildungsbedarf jedes Kindes bzw. Jugendlichen erhoben und entsprechende Maßnahmen organisiert werden. Auch der im Rahmen der Bildungsreform geplante "Bildungskompass" könne diesbezüglich Anwendung finden. Sowohl für begleitete als auch unbegleitete Kinder und Jugendliche müssten ausreichende und bedürfnisorientierte Bildungs- und Beschäftigungsangebote zur Verfügung gestellt werden - und zwar bereits in den Bundesbetreuungsstellen. Dabei sollte der Staat viel mehr Verantwortung übernehmen. Das bekräftigte auch eine junge ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuerin, die in den letzten Wochen im Wiener Ferry Dusika Stadion aushalf. "Über 100 Kinder sind seit eineinhalb Monaten dort und haben nichts zu tun! Keiner war da und hat geschaut, was mit diesen Kindern passiert."

    Mehr Mittel für Deutschkurse, vereinfachte Anerkennung von Bildungsabschlüssen


    Laut Sina Farahmandnia, Geschäftsführer der Initiative "PROSA-Schule für alle", die Basisbildung für über 15-jährige Flüchtlinge anbietet, sollten Kompetenzen von Kinderflüchtlingen bzw. Kindern mit Migrationshintergrund im Regelschulsystem viel besser gefördert werden - Rassismus sei im österreichischen Schulbereich allgegenwärtig. Die Bundesregierung müsse zudem viel mehr Mittel für Deutschkurse bereitstellen: "Das ist Hetze, wenn einerseits gefordert wird ´die sollen zuerst Deutsch lernen´ , aber keine Mittel für Deutschkurse da sind!"

    Wissam Alhawi, ein junger Grafik-Designer aus Damaskus, der seit drei Jahren in Österreich lebt und mittlerweile anerkannter Flüchtling ist, berichtete, wie schwierig es für ihn war, überhaupt an Informationen über Bildungsmöglichkeiten heranzukommen. Er wünscht sich von der Politik eine vereinfachte Anerkennung von Bildungsabschlüssen und somit einen erleichterten Zugang zu Weiterbildung sowie zum Arbeitsmarkt. "Vor allem muss die Perspektivenlosigkeit so vieler junger Flüchtlinge beendet werden!", forderte Julia Rainer, Österreichische UN-Jugenddelegierte und verwies auf die im September neu beschlossenen Nachhaltigen Entwicklungsziele, denen zufolge Österreich inklusive, gerechte und hochwertige Bildung sichern und die Möglichkeit für lebenslanges Lernen für alle Menschen fördern müsse. "Vor allem einmal: Familien raus aus den Not- und Massenquartieren und Kinder rein in die Schulen! Und für die nicht mehr Schulpflichtigen müssen machbare Lösungen gefunden werden", so Terezija Stoisits abschließend.


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