Spendenbutton
Kinderarbeit in der indischen Ziegelindustrie

Die „Schwabenkinder“ von heute

    Millionen Minderjährige müssen arbeiten / Jugend Eine Welt setzt sich für sie ein

    (12. Dezember 2014) Bis in die 1930er-Jahre schickten arme, kinderreiche Familien aus Bergdörfern in Tirol und Vorarlberg ihre Kinder als Arbeitskräfte auf Bauernhöfe nach Oberschwaben. Dort mussten die Buben und Mädchen einen Sommer lang als Viehhüter, Knechte oder Mägde dienen. Diese Kinder nannte man umgangssprachlich „Schwabenkinder“.  Die Dokumentation „Schwabenkinder" - zwischen Heimat und Heimweh" am Sonntag, dem 14. Dezember, zeigt ihr Schicksal (21 Uhr, SWR).

    Mehrere Tausend Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren gingen seit Beginn des 17. Jahrhunderts jährlich im Frühling zu Fuß über die Alpen. Auf Märkten in den deutschen Städten Ravensburg oder Kempten wurden sie wie Sklaven an die meistbietenden Bauern verkauft und mussten am Hof täglich zwölf Stunden lang schwere körperliche Arbeit verrichten. Als Bezahlung bekamen sie Essen, Kleidung und ein paar Gulden. Häufig litten die Kinder unter der Gewalt ihrer Arbeitgeber; viele Mädchen wurden von Bauern und Knechten sexuell belästigt und kehrten im Herbst schwanger nach Tirol oder Vorarlberg zurück. Die Schule besuchten diese Kinder – trotz allgemeiner Schulpflicht – nur im Winter.

    Moderne Arbeitssklaven

    „Schwabenkinder gibt es auch heute noch, denn Kinderarbeit gehört in vielen Ländern zum Alltag“, kritisiert Reinhard Heiserer, Vorstand der Hilfsorganisation Jugend Eine Welt. 168 Millionen Minderjährige müssen weltweit arbeiten, obwohl sie eigentlich zur Schule gehen sollten. Es sind Kinder, die gefährliche Arbeiten verrichten, bei denen sie krank werden oder sich verletzen können, oder Kinder, die zur Prostitution gezwungen werden. Jugend Eine Welt setzt sich für diese Kinder ein, damit auch sie die Chance auf Bildung erhalten – immer in Zusammenarbeit mit den Don Bosco Projektpartnern. Auf den Philippinen bekommen sexuell missbrauchte Mädchen Schutz und Therapie. In Ghana werden Kinder aus den Fängen der Fischerei-Industrie befreit und in einem Erstaufnahme-Zentrum untergebracht. Und in Indien erhalten die Kinder aus den Ziegelfabriken Verpflegung und Schulunterricht. Reinhard Heiserer: „Kinderarbeit führt immer zu neuer Kinderarbeit. Denn wer nie ausgebildet wurde, setzt auch seine Kinder nicht auf die Schulbank.“

    Auf der Homepage www.schwabenkinder.at findet man Unterrichtsmaterial zum downloaden; z.B. Geschichten von arbeitenden Kindern und Informationen zum Thema Kinderrechte.

    Das Buch „Lechtaler Schwabenkinder",  ein gemeinsames Projekt von Claudia Lang und Jugend Eine Welt, ist im Don Bosco Verlag erschienen (13 €).
    Erhältlich unter www.jugendeinewelt.at/shop oder 01 / 879 07 07 - 0


    drucken  DRUCKEN     versenden  SEITE ALS MAIL VERSENDEN     spenden  JETZT SPENDEN