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Brasilien und Tansania sind Fußball-Weltmeister!

    (7. April 2014) Es blieb spannend bis zur letzten Sekunde: In den beiden Endspielen der Straßenkinder Fußball-WM, die am 6. April im Stadium von Fluminense in Rio stattfanden, trugen das brasilianische Mädchenteam mit 1:0 gegen die Philippinen sowie die Jungkicker aus Tansania mit 3:1 gegen Burundi den Sieg davon. Doch in Wirklichkeit haben alle 230 Kinder gewonnen, die im Vorfeld der "großen" Fußball-WM an der Straßenkinder-Fußball-WM in Brasilien teilnahmen: Es ist ihnen gelungen, das von Elend und Verzweiflung geprägte Leben auf der Straße hinter sich zu lassen. Nun wollen sie benachteiligten Kindern auf der ganzen Welt ein hoffnungsvolles Beispiel geben.

    Sogar Papst Franziskus persönlich hatte zur Eröffnung der WM eine Friedensbotschaft an die Straßenkinder-Mannschaften gesendet, die vom Erzbischof von Rio, Kardinal Orani Tempesta verlesen wurde. Frieden und Hilfe haben gerade brasilianische Straßenkinder bitter nötig. "Durchschnittlich acht Straßenkinder werden täglich in Brasilien ermordet", berichtete Manoel Torquato, Koordinator der größten brasilianischen Straßenkinder-Kampagne, dem Team der Hilfsorganisation Jugend Eine Welt, das in den letzten Tagen Don Bosco Hilfsprojekte für Straßenkinder in Brasilien besuchte.

    Bester Spieler der brasilianischen Mannschaft erschossen

    Immer wieder wurde während der Straßenkinder-WM an eines der jüngsten Todesopfer erinnert: Rodrigo Kelton von der brasilianischen Jungen-Mannschaft war am 13. Februar, seinem 14. Geburtstag, von unbekannten Tätern durch vier Schüsse in den Rücken in seiner Heimatstadt Fortaleza ermordet worden. "Er war unser bester Spieler. Er hatte schon einen fixen Vertrag mit einem Fußballclub in der Tasche", so Manoel Torquato. Um an der verzweifelten, von Gewalt geprägten Situation der Straßenkinder etwas zu ändern, hat Torquato 2005 die Kampagne "Kinder gehören nicht auf die Straße"  (Criança não é de rua) gegründet. Zu Beginn wurden die AktivistInnen von staatlicher Seite nicht ernstgenommen, doch Manoel gelang es im Lauf der Jahre, aus der kleinen Initiative die größte brasilianische Plattform für die Rechte von Straßenkindern zu entwickeln. Mittlerweile wird die Kampagne von 600 Organisationen getragen. 2012 wurde sie von der Regierung eingeladen, an der Entwicklung einer neuen Strategie zur Verbesserung der Situation der Straßenkinder mitzuarbeiten - ein großer Erfolg. Wie lange es allerdings dauern wird, bis diese Strategie für die mindestens 26.000 Kinder, die in den 26 Bundesstaaten Brasiliens auf der Straße leben wirkliche Hilfe bringt, kann auch Manoel nicht abschätzen. Jedenfalls sind er und seine KollegInnen skeptisch, was die FIFA-Fußball-WM betrifft: "Die WM verschlingt Millarden, die anderswo dringend gebraucht würden, z.B. um auf der Straße lebenden Kindern eine Perspektive zu geben. Säuberungsaktionen bzw. das monatelange Wegsperren von Straßenkindern rund um die WM sind jedenfalls keine Lösung."

    Damit Kinder erst gar nicht auf der Straße landen, führen die Projektpartner von Jugend Eine Welt, die Salesianer Don Boscos und die Don Bosco Schwestern, in ganz Brasilien Hilfs- bzw. Präventivprojekte durch, darunter in den WM-Austragungsorten Rio und Recife. "Wir hoffen, dass das riesige Problem der brasilianischen Straßenkinder im Zusammenhang mit der Fußball-WM mehr nationale und internationale Aufmerksamkeit erhält und dass die Kinder konkrete Hilfe bekommen", so Reinhard Heiserer, Vorsitzender von Jugend Eine Welt, "Und wir schließen uns den Forderungen der brasilianischen Straßenkinderkampagne an: Viel mehr Streetworker, die zu den Kindern auf die Straße gehen. Unterkünfte, wo Kinder, die nicht nach Hause können, weil sie Angst vor Gewalt haben, Schutz und ein Zuhause finden und viel mehr Unterstützung für Familien, die unter dem Existenzminimum leben."

    Unter dem Motto "Bildung überwindet Armut" unterstützt Jugend Eine Welt Don Bosco-Hilfsprojekte in aller Welt - Fußball wird dabei regelmäßig und sehr erfolgreich als pädagogisches Instrument eingesetzt.

    Tipp: Weitere Fotos und Audio-Material von der Straßenkinder-WM sind gern auf Anfrage erhältlich - weitere Berichte zum Themenschwerpunkt "Straßenkinder in Brasilien" folgen ab 13.4.


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