
In der Mitte des vorigen Jahrhunderts war Italien, wie viele Staaten Europas, von grossen Umbrüchen gekennzeichnet. Die strebende Industrialisierung liess eine grosse Anzahl verarmter Landbevölkerung, auf der Suche nach Arbeit und ein wenig Glück, in die Städte ziehen. Besonders hart war die Situation der Jungendlichen, Kinderarbeit war stark verbreitet.
In Turin versuchte der Priester Giovanni Bosco (16. 08.1815 – 31.01.1888) durch sein Leben und Wirken eine Antwort auf die drängenden Fragen der Zeit zu geben. Er sammelte viele junge Menschen, die auf der Suche nach Arbeit ihre vertraute Umgebung von Familie, Dorf und Freundeskreis verlassen hatten und in der Grossstadt Turin heimatlos waren, und bot ihnen ein Zuhause an. Er setzte für ihre schulische, berufliche und religiöse Bildung ein, um ihnen eine solide Lebensperspektive zu geben. Er schaffte Foyers, Schulen und Freizeitzentren. Seine Pädagoik baute auf den Grundsätzen Liebe Religion und Vernunft auf. Trotz grosser Schwierigkeiten mit kirchlicher und staatlicher Obrigkeit ging Don Bosco seinen Weg und gewann eine grosse Zahl von Mitarbeitern.
Als es notwendig wird, seinem Werk eine solide Grundlage zu erbauen, gab Giovanni Bosco 1959 seinen engsten Mitarbeitern eine Lebensregel, die 1874 von Papst Pius IX. anerkannt wurde. Die neue Ordensgemeinschaft, aus Priestern und Brüdern bestehend, nannte er „Salesianer“, denn sein Leben lang war Don Bosco von Franz von Sales (1567-1622) fasziniert, dessen Menschlichkeit und Liebenswürdigkeit für ihn zu wesentlichen Bestandteilen seiner pädagogischen Ansichten wurden. Zusammen mit Maria Mazzarello gründete Don Bosco auch einen weiblichen Orden, die „Figlie di Maria Ausiliatrice“.
Sein Traum von einer glücklichen und würdigen Jugend, zuverlässig in ihren Verpflichtungen und ihrem Glauben, verstand er zu vermitteln und zu verbreiten. Ein Traum, der über ein Jahrhundert nach seinem Tod weiterhin Menschen guten Willens inspiriert und befruchtet.