
Was das Erdbeben von den Don Bosco Zentren übrig gelassen hat, wurde geplündert
„La Saline“ – das ehemals große Don Bosco Bildungszentrum mit fünf großen Schulen - liegt heute danieder. Die meisten Bauten sind völlig eingestürzt, einige stehen noch teilweise, sind aber nicht mehr zu gebrauchen. Das einzige noch funktionsfähige Gebäude ist die hauseigene Bäckerei. Dort wurde vor dem Erdbeben für die Kleinsten zwischen drei und sechs Jahren täglich Brot gebacken. Gemeinsam mit einer Portion Milch haben sie ein nahrhaftes Frühstück bekommen.
Vor dem Erdbeben unterrichteten die Salesianer Don Boscos in Port-au-Prince in zwei riesigen Bildungseinrichtungen: "La Saline" und "Cité Soleil". Die SchülerInnen kamen aus den Slums der Hauptstadt. Rund 20.000 Kinder haben die Projektpartner von Jugend Eine Welt bisher betreut. „Für die Kleinsten gab es Kindergruppen, danach eine Grund- und Hauptschulausbildung sowie Lehrwerkstätten auf dem Gelände“ berichtet P. Olibrice Zucchi SDB, der Leiter des Schulzentrums.
Alles ausgeraubt und gestohlen
Das Gebäude der Kantine von „La Saline“, in der alle Kinder täglich ein warmes Mittagessen bekommen haben, wäre vielleicht noch zu retten. Doch es gibt keinerlei Inventar mehr. Diebesbanden haben dem verzweifelten Pater Zucchi noch das Letzte geraubt, das nicht das Beben bereits vernichtet hat: die Kochgeräte, die Maschinen aus den Werkstätten, sogar die Räder und Motoren der Fahrzeuge, mit denen früher Essen und Material angeliefert wurde. Übrig geblieben sind nur zerrissene Bücher, ein paar kaputte Schulbänke und ausgehöhlte Autos.
Das große Schulprojekt, das bereits seit 1954 existiert und in dem Elendsviertel die einzige Zukunftschance für viele Kinder war, liegt buchstäblich in Trümmern. Und das Schlimmste ist, dass das Beben mehr als 250 Menschen vom Schulgelände mit in den Tod gerissen hat. Unter ihnen 150 KindergärtnerInnen und VorschullehrerInnen, die sich gerade zu ihrer Nachmittagsbesprechung zusammen gefunden hatten. Pater Zucchi selbst konnte sich nach dem Beben gerade noch aus seinem Büro retten. Nun übernachtet er in einem kleinen Campingzelt neben den Ruinen der Schulgebäude.
Die Kinder sollen wieder in die Schule gehen können
„Am dringendsten benötigen wir jetzt Hilfe, um die LehrerInnen, die das Beben überlebt haben, nicht auch noch zu verlieren. Momentan kann ich sie nicht zahlen und ihnen keine Unterstützung oder Arbeit bieten“ sagt P. Zucchi. Es gibt am Schulgelände einen großen, ebenen Platz, auf dem man in Zelten den Unterricht mit weniger Kindern wieder beginnen könnte.
Der Pater selbst steht auch noch völlig unter dem Schock des Erdbebens und trauert um seine MitarbeiterInnen. „Wir werden ihn für einen Neubeginn mit allem unterstützen was in unserer Möglichkeit liegt“ meint Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt. „Pater Zucchi ist ein langjähriger Projektpartner von uns. Durch die Kooperation zwischen Jugend Eine Welt und Caritas wird das Schulprojekt so rasch als möglich wieder mehr als 20.000 Kindern Unterricht bieten“.