
Mit einer Selbstverpflichtung zu kritischer Aufmerksamkeit und Teilnahme an der Öffentlichkeit und einer Veränderung des eigenen Lebensstils zu umweltverträglicheren Lebensformen ging am Freitag, dem 24. Juli, die Fachtagung Weltkirche zum Thema "Schöpfungsverantwortung in der Krise" im Stift Lambach zu Ende.
An der Tagung am 23. und 24. Juli nahmen rund 150 Ordensschwestern, Priester und MitarbeiterInnen von kirchlichen Hilfswerken und Nichtregierungsorganisationen teil. Auch der Diözesanbischof von Linz, Dr. Ludwig Schwarz, war bei der ganzen Tagung dabei.
Die Fachtagung hatte sich zum Ziel gesetzt, die Verknüpfung der aktuellen Finanzkrise mit der Umweltkrise zu erkennen und aus diesen Einsichten konkrete Schritte zu planen, um den Klimawandel zu stoppen. Vorträge von Bischof Luciano Capelli über die Klimaveränderung in seiner Diözese auf den Solomon Inseln im Südpazifik und eine feministische Perspektive auf die Ökologie von Vandana Shiva, der Alternativnobelpreisträgerin aus Indien, zeigten die Opfer der Umweltschmutzung und forderten Alternativen im Produktionsprozess vor allem der reichen Gesellschaften. Weitere Vorträge schlugen persönliche Schritte zu einem einfachen Leben aus theologisch-kirchlicher Sichtweise vor und analysierten die fehlgeleitete Zielvorstellung von "Entwicklung" seit der Nachkriegszeit in soziologischer und politisch-ökonomischer Hinsicht.
Das Wasser bis zum Hals
Ein Tsunami, der am 3. April 2007 die Solomon Inseln verwüstete, wurde von der Weltpresse praktisch nicht zur Kenntnis genommen. Zwei Jahre später leben die Betroffenen immer noch in Zelten, auf Inseln, die teilweise durch Erdbeben drei Meter gehoben wurden oder auf anderen, die im Gegenteil darunter leiden, dass der Meeresspiegel angestiegen ist und die Dörfer überflutet werden. Davon berichtete Mons. Luciano Capelli, Bischof von Gizo auf den Solomon Inseln, bei der Fachtagung Weltkirche im Stift Lambach, in seinem Vortrag zum Thema "Tsunami und Co. Auswirkungen des Klimawandels im Pazifischen Raum".
Bischof Capelli beschrieb die Nationen des Pazifiks als kleine Länder, abhängig vom Ozean rundum und von ihren Beziehungen nach außen. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Bewahrung der Schöpfung ist noch schwach, bedauerte Capelli. Wegen der Abhängigkeit vom Fischfang lebt ein großer Teil der Bevölkerung an den Küsten. Mit der Verschmutzung der Meere sterben Korallenriffe ab, in der Folge davon auch die Fische und der Fischfang wird erschwert. Das wieder fordert eine andere Technologie für den Fischfang, der seinerseits wieder die Umwelt belastet.
"Gott vergibt immer, die Menschen manchmal, aber die Natur nie", erwähnte der Bischof eine Weisheit seines Volkes. Allerdings betreffen die Naturkatastrophen oft Menschen, die nichts dafür können, denn die Umwelt wird vor allem von internationalen Korporationen zerstört. Capelli zeigte Bilder und erzählte von der Holzindustrie, die auf vielen Inseln die Lebensbedingungen schwieriger macht.
Auf vielen Inseln steht den Menschen der Salomon Inseln das Wasser bis zum Hals, wegen der Klimaveränderungen. Was dort jetzt schon passiert, kann als Ankündigung für Veränderungen auch in anderen Teilen der Welt gesehen werden, hieß es im Vortrag von Capelli.
In seiner Diözese setzt die Kirche auf Erziehung und Ausbildung, berichtete Capelli. Damit sollen vor allem die jungen Menschen der Solomon Inseln ihre eigene Zukunft gestalten können. Es wäre eine unchristliche Haltung, sich von den Schwierigkeiten der Menschen dort nicht betreffen zu lassen, forderte Bischof Capelli dazu auf, sich für die Solomon Inseln einzusetzen.
Für Heinz Hödl, von der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO), die an der Organisation der Tagung maßgeblich beteiligt war, "ergänzten sich die Referate zu einer Zusammenschau der größeren Problematik unserer Umwelt und Schöpfungsverantwortung. Damit wurde auch eine gute Grundlage dafür gelegt, dass jetzt eine Strategie für Gerechtigkeit und einen veränderten persönlichen Lebensstil angegangen werden kann."
In sechs Arbeitsgruppen erarbeiteten die TeilnehmerInnen gegen Ende der Tagung Vorschläge, die in den eigenen Ordensgemeinschaften, Organisationen und Hilfswerken umgesetzt werden sollen. Die Vorschläge reichen vom öffentlichen Eintreten für internationale Gerechtigkeit, die Umsetzung der Kyoto-Ziele in den eigenen, vor allem kirchlichen, Organisationen, die Unterstützung der Kampagne "Klima fair-bessern" der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO) bis zu Programmen, demokratische Vorgehensweisen auf allen Ebenen einzufordern, besonders wenn Vorschläge verhandelt werden, die die Umwelt betreffen.
"Diese Vorschläge stehen jetzt noch auf dem Papier, aber sie werden von den Ordensgemeinschaften und Organisationen in der nächsten Zeit sicher in praktische Schritte umgesetzt werden", erwartet sich der Salesianer Pater Konrad Keler SDB, Vorsitzender des Missionsreferats der Superiorenkonferenz, das an der inhaltlichen Ausrichtung der Tagung mitgearbeitet hatte. Heinz Hödl von der KOO hält die Tagung für einen Erfolg, "denn wir konnten neue Zielgruppen, über die missionierenden Orden hinaus, ansprechen und sie waren gut vertreten. Jetzt geht es vor allem darum, klar einzufordern und umzusetzen, was wir in diesen Tagen an Zusammenhängen verstanden haben. Dafür sind die Ordensleute und die TeilnehmerInnen aus allen Organisationen eine Garantie."