
P. George T.J. koordiniert die Finanzen und die Projekt-Arbeit der Salesianer Don Boscos in Kenia und Tansania. Vom 24. bis 26. März besuchte er Jugend Eine Welt.
Wenn P. George T. J. es sich aussuchen könnte, würde er wahrscheinlich immer noch an der Berufsschule der Salesianer Don Boscos in Iringa, Tanzania unterrichten. "Die Arbeit mit den Schülern ist eine ganz besondere für mich. Die jungen Leute kommen mit all ihren Problemen, desorientiert und oft ohne Selbstvertrauen und Ziele zu uns. Einige geben auch schnell wieder auf, verlassen nach kurzer Zeit wieder die Schule, " erzählt P. George: "Bei denen, die bleiben, kann man die Entwicklung beobachten. Ich als Lehrer fordere sie heraus, treibe sie an. Wenn die jungen Leute ihre Ausbildung beenden, haben sie nicht nur handwerkliche Fähigkeiten erlernt, sondern auch Selbstvertrauen und Zuversicht gewonnen. Und sie haben den Ergeiz ihr Leben in die Hand zu nehmen und etwas zu erreichen. Es ist schön, diese Entwicklung mitzuerleben." Neun Jahre lang war P. George in Iringa tätig, unter anderem auch als Direktor der dortigen Berufsschule, bevor ihm im Jahr 2006 die verantwortungsvolle Aufgabe des Ökonoms für die Provinz East Africa übertragen. Die Salesianerprovinz umfasst die beiden Staaten Kenia und Tansania mit einer Fläche von über 15 Millionen Quadratmetern. Das entspricht etwa dem 180-fachen der Fläche von Österreich. Momentan sind 170 Salesianer Don Boscos in der Provinz tätig.
Seit letztem Jahr ist P. George zusätzlich Leiter des Projektbüros und koordiniert Aktivitäten aller Einrichtungen in der Provinz, wie z.B. den Ausbau von Schulen, die Ausbildung von Lehrerpersonal oder das Funktionieren der HIV/Aids-Aufklärungskampagne "Life Choices".
"Ich mache jede Arbeit gerne, weil ich weiß, welches Ziel sie verfolgt", sagt P. George: "Nämlich zum Gelingen der Leben junger Menschen beizutragen."
P. George T. J. war 20 Jahre alt, als er 1986 in den Osten Afrikas kam. "Ich war noch Bruder, als ich das erste Mal nach Tansania kam." Um sein Studium in Kraftfahrzeug-Mechanik abzuschließen, kehrte er in seine Heimat, Indien zurück. "Nachdem mein Studium beendet war, ging ich nach Afrika zurück." Dieses Mal nach Nairobi, Kenia, wo er auch Theologie studierte.
"Das Unterrichten stellt oft eine Herausforderung dar."
"Ein Schwerpunkt unserer Projektarbeit liegt sicher in der Berufsausbildung", so P. George: "Wir betreiben sieben Berufschulen, vier in Kenia, drei in Tansania, in denen wir hauptsächlich junge Erwachsene ab etwa 18 Jahren ausbilden." Die Arbeit mit den jungen Menschen ist nicht immer einfach: "Viele unserer Schüler kommen aus sehr armen Verhältnissen, haben auf der Straße gelebt und Erfahrungen mit Gewalt und Drogen gemacht", so der Pater: "Das Unterrichten stellt oft eine Herausforderung dar."
Die Berufsschulen finanzieren sich, im Idealfall, selbst: "Die Schüler bezahlen einen kleinen Beitrag, der die Kosten aber natürlich nicht decken kann. Zusätzlich produzieren wir, d. h. wir suchen nach Kunden, für die unsere Schüler tatsächliche Auftragsarbeiten erledigen. Beispielsweise bauen sie in der Tischlerei Möbel, die dann verkauft werden." Die Finanzierung der Schulen ist schwierig, vor allem das Anschaffen von neuem Equipment, moderneren Maschinen und Werkzeugen, etc. ist ein Problem. "Wie es den Schulen finanziell geht hängt immer von der Auftragslage ab", erklärt P. George.
Don Bosco Schule in einem der größten Flüchtlingslager Afrikas
Was alle Berufsschulen gemeinsam haben ist der gute Ruf, den sie, auch über Landesgrenzen hinweg, genießen. "Unsere Schule in Kakuma, einem der größten Flüchtlingslager Afrikas, hat einen großen Beitrag zum Wiederaufbau im Sudan geleistet", erzählt P. George stolz.
Noch vor zwei Jahren wurden in der Schule, auch aufgrund finanzieller Unterstützung durch die Vereinten Nationen 900 Schüler unterrichtet. "Viele der Schüler von damals stammten aus dem Süd-Sudan", erzählt P. George: "Wenn sie von ihren Plänen für die Zukunft erzählten, sagten die meisten, sie wollen in den Sudan zurück und ihre Heimat wieder aufbauen. Viele haben das auch gemacht."
Momentan leben in Kakuma 50.000 Menschen. Hauptsächlich stammen sie aus Somalia und dem Sudan. Die Don Bosco Berufsschule ist die einzige Schule innerhalb des Camps. "Keine andere Hilfsorganisation hat ihr Hauptquartier direkt im Lager." Unterrichtet werden neben jungen Leuten aus dem Camp auch Leute aus der Umgebung. P. George erklärt: "Die Gegend rund um Kakuma ist sehr trocken, wüstenähnlich. Die Infrastruktur ist nur sehr schlecht ausgebaut. Im Umkreis von 300 Kilometern gibt es außer der Don Bosco Schule keine andere Ausbildungsstätte." Neben drei Salesianern arbeiten hauptsächlich LehrerInnen aus Nairobi in der Berufsschule. "Qualifiziertes Personal zu finden ist sehr schwierig. Vor allem in abgelegenen Regionen. Deshalb gehen unsere Anstrengungen auch in Richtung LehrerInnen-Ausbildung, " berichtet P. George: "Einerseits greifen wir auf unsere ehemaligen Schüler zurück, bilden sie aus und stellen sie als Lehrpersonal ein, andererseits bieten wir Kurse und Trainings zur Weiterbildung an."
Dem Zweck der Weiterbildung dient vor allem "DB YES - Das Don Bosco Youths Educational Services" ein Bildungshaus, in dem Seminare und Workshops für Lehrpersonal und Jugendliche abgehalten werden.
"Außerdem betreiben wir dort auch die Multimedia-Stelle BEAMS (Bosco Eastern Afrika Multimedia Services)." Dort werden Audio- und Video-Unterlagen für den Einsatz im Unterricht und der Jugendarbeit erstellt.
Leben wie in einer Familie
Neben Berufsschulen und Bildungshaus betreiben die Salesianer Don Boscos auch mehrere Grundschulen, Internate, fünf Pfarren und betreiben ein Straßenkinderzentrum in Nairobi. "Viele der Kinder die zu uns kommen, können in einen regulären Schulunterricht integriert werden. Momentan bekommen ca. 100 Schüler ein Stipendium von den Salesianern, sodass sie sich einen Schulbesuch überhaupt leisten können." Natürlich freut sich P. George über die Fortschritte, die im Straßenkinderprojekt sichtbar sind: "Drei unserer ehemaligen Schützlinge studieren mittlerweile an der Universität."
Den Kontakt zu seinen ehemaligen Schülern versucht P. George aufrechtzuerhalten: "Das Leben in den Don Bosco Schulen ist ähnlich wie in einer Familie. Wir leben miteinander, lernen voneinander und freuen uns gemeinsam über Erfolge!"
"Hier ist meine Heimat."
Welche neuen Aufgaben auf P. George nach seiner Amtszeit als Ökonom auf ihn zukommen, weiß er noch nicht. Sicher ist, dass er in der Provinz East Afrika bleiben wird: "Ich habe mehr als die Hälfte meines Lebens in Tansania und Kenia verbracht. Hier ist meine Heimat."